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Tiger Woods - Sex, Drugs & Rock’n Roll |
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Samstag, 2. Januar 2010 |
ZumJahreswechsel gab es eigentlich nie viel zu hören oder zu sehen von Tiger Woods. Bis auf die obligatorischen Geburtstagsglückwünsche, die ihn am 30. Dezember erreichen. Jetzt ist er 34 Jahre alt, seine sportlichen Erfolge sind unbestritten – aber die Schlagzeilen werden nicht von Sportjournalisten bestimmt, sondern von Klatschreportern. Die haben zwar keine Ahnung vom Golf, aber scheinen Tiger Woods schon lange im Visier zu haben. Auf der Nachrichtenseite eines großen deutschen Wochenmagazins schreibt ein offensichtlicher Laie u.a. zu seiner sportlichen Bilanz: „Tiger Woods ... steht mehrfach auf Platz 1 der Weltrangliste.“ Dummes Zeug, wie wir alle wissen. Ein Blick auf die offizielle Seite der Weltrangliste hätte für den „Reporter“ gereicht, um zu erfahren, dass Woods sportlich ganz weit vorn ist und seit 238 Wochen unangefochten das Ranking anführt. Aber wen interessiert das in diesen Tagen schon?
Die Schnappschüsse kommen nicht von bei großen Turnieren akkreditierten Sportfotografen, sondern von Paparazzi. Und sie zeigen seltener ihn, sondern seine zahlreichen Gespielinnen. Tiger Woods kann sich allerdings nicht beschweren, sein Image als Saubermann der Fairplay-Sportart par excellence und seine Wirklichkeit klaffen ganz offensichtlich so weit auseinander wie Himmel und Hölle. Er war DAS Vorbild der Amerikaner, und das nicht nur in sportlicher Hinsicht. Eine hübsche blonde Frau, zwei süße Kinder, Erfolg ohne Ende und Geld bis zum Abwinken.
Alles Schnee von gestern – sein Beliebtheitsgrad ist in den USA abgestürzt, laut einer Umfrage von USA Today in Zusammenarbeit mit dem seriösen Gallup-Insitut von 85 auf 33 Prozent. Das ist der größte Einbruch seit Einführung der Umfrage vor 17 Jahren. Selbst unbeliebte Politiker liegen mittlerweile deutlich vor ihm. Geld ohne Ende, das gilt allerdings nach wie vor für den Sport-Milliardär, aber jetzt ziehen seine Sponsoren sich scharenweise zurück, vielleicht muß sogar ein Tiger Woods seinen Gürtel enger schnallen, wenn seine zukünftige Ex die Hälfte seines Vermögens und dicke Unterhaltszahlungen zugesprochen bekommt.
Seine Sponsoren müssen jetzt mal nachrechnen, was zwei Ökonomen der Universität Berkeley bilanziert haben. Die Unternehmen, die Tiger Woods unterstützt habe, sollen angeblich bis zu 12 Milliarden Dollar Wertverlust an der Börse erlitten haben, seitdem Tiger Woods seinen ominösen Autounfall hatte. Autsch!
Die jüngste Nachricht seiner Werbepartner kommt von AT&T. Das größte amerikanische Telefon-Unternehmen teilte per E-Mail an den Wirtschaftsdienst Bloomberg mit, „ wir haben unseren Sponsorenvertrag mit Tiger Woods beendet und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“. Pikant, der Vertrag war erst im Februar 2009 für mehrere Jahre abgeschlossen worden.
Und jetzt kommt alles noch dicker. Nicht nur täglich neue Enthüllungen über seine Sex-Affären, jetzt kommt es hammerhart: Dopingvorwürfe stehen im Raum, und die sind ziemlich konkret. Der kanadische Sportmediziner Anthony Galea ist in das Visier der Justiz geraten. Er wurde im September und im Oktober an der kanadischen Grenze festgenommen, nachdem die Polizei verbotene Substanzen, Wachstumshormone und ein Epo „maskierendes Medikament“ namens „Acotegin“ gefunden hat. Einer seiner Kunden: Tiger Woods. Der Anwalt des Arztes beeilte sich zu versichern, dass dank der Hilfe des Arztes die Regeneration seines operierten Knies schneller erfolgt sei als angenommen. Woods Manager Mark Steinberg, zur Überraschung von Insidern immer noch im Amt, nannte die medizinische Behandlung in Zusammenhang mit illegalen Medikamenten „rücksichtslos und unverantwortlich“. Bleibt die Frage, warum Tiger Woods einen umstrittenen Arzt wählte, der auch Leichtathleten und Schwimmer betreut, klassische Dopingsportarten also. Der Saubermann des Sports gleitet auf seiner Abwärtspirale in die nächste Ebene – und hier ist dann nicht mehr Tiger Woods allein betroffen, jetzt droht eine ganze Sportart in den Dreck gezogen zu werden.
Kommentar von Tiger Woods? Fehlanzeige! Er ist und bleibt von der Bildfläche verschwunden, „Entertainment Tonight“ berichtet allerdings von seinem Auftauchen auf einer Privatparty in Florida, händchenhaltend mit seiner Flamme Rachel Uchitel. Kaum vorstellbar, das er weiter mit dem Feuer spielt. Tiger haben eine natürliche und selbstschützende Angst vor dem Feuer – doch der Tiger namens Woods ist ganz offensichtlich dabei, nicht nur sich die Krallen und das Fell zu verbrennen. Sicher stellen sich auch die ersten Topmanager der PGA die Frage, ob er nicht zu einer Belastung für den Golfsport werden könnte. Die Lichtgestalt des Golf als Schattenmann – wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht?
Die Aufarbeitung der Sex-Affären hat natürlich auch ein Hollywood-Potenzial. Angeblich reißen sich Produzenten darum, das Leben des „geilen Golfers“ zu verfilmen. Für die Hauptrolle ist Cuba Golding Jr. im Gespräch, das meldet die britische „Daily Mail“. Tiger Woods als Never-Ending-Story?
» 1 Kommentar
1"Armer Tiger" am Sonntag, 3. Januar 2010 10:44
Tiger Woods tut mir aufrichtig leid - jetzt wird der Kunstmensch real, und alle hacken auf ihm rum. Er ist wohl der beste Golfer in der Geschichte - und jetzt wird er demontiert. Auch der erste Superstar des Golf - Arnold Palmer - soll viele Affären gehabt haben, aber damals gab es noch keine SMS, kein Internet, keine bezahlten Interviews, keine Talkshows und keinen derartigen Medienrummel. Ich hoffe, der Tiger kommt zurück auf die Tour und zeigt es allen mit seinem Können.
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