Colin Montgomerie’s Ryder Cup-Nachlese: „Ich wusste, wir können gewinnen.“
Mittwoch, 22. Dezember 2010

Colin Montgomerie
Colin Montgomerie
In einem Interview mit einer englischen Tageszeitung hat Ryder Cup-Kapitän Colin Montgomerie einen tiefen Einblick in seine Vorbereitung und die Durchführung des Ryder Cups 2010 in Newport in Wales gegeben. Die Fakten sind bekannt, Europa gewann in einem sensationell spannenden Finale mit 14,5 zu 13,5 Punkten mit dem denkbar knappsten Ergebnis den Team-Wettbewerb. Graeme McDowell schlug im letzten Match des Tages den Amerikaner Hunter Mahan, ein Remis hätte nicht gereicht. Bei Punkteteilung hätten die Amerikaner als Titelverteidiger den Kontinentalvergleich für sich entschieden.

Golfer sind gemeinhin Individualisten, als Team treten sie nur alle zwei Jahre an, aber dieser Wettbewerb prägt ihr Golferleben offensichtlich ebenso wie die Jagd nach Einzeltiteln und nach Majors. Ryder Cup 2010Der Schotte Montgomerie lässt keinen Zweifel: „Der Ryder ist ein sehr großer Teil meines Lebens und ich war immer ein stolzes Mitglied im Team – egal ob wir gewonnen oder verloren haben.“ Und bei seiner Premiere als Kapitän wusste er genau, was auf ihn zukommt: „Ein ganz starkes amerikanisches Feld mit Tiger Woods in ihrer Mitte. Ich war froh über die starke Mannschaft und über ihren eindrucksvollen Auftritt. Der Sieg fühlt sich heute, zwei Monate später, immer noch genau so gut an wie unmittelbar nach Ende des Events. Und ich denke, das wird immer so bleiben.“ Colin Montgomerie berichtet darüber, wie er lange vor den anderen im Hotel ankam und dafür sorgte, dass alles optimal vorbereitet wurde. Er ließ in den Zimmer seiner Spieler sogar die Betten austauschen, um ihnen möglichst hohen Komfort zu bieten. „Wir können das ruhig Heimvorteil nennen, woanders wäre das wohl nicht möglich gewesen.“
Martin Kaymer und Lee Westwood
Martin Kaymer und Lee Westwood
Der Kapitän bestimmt die Aufstellung der Mannschaft, ein schwieriger Prozess, vor allem auch für die Spieler, die nicht gleich eingesetzt werden. „Als ich die Truppe für den ersten Tag bestimmt hatte, verkündete ich Mittwoch Nacht meine Wahl. Für die, die in der ersten Runde nicht dabei waren – die Molinaris, Peter Hanson und Miguel Jimenez – musste ich Phrasen benutzen wie „Spieler in Tritt bringen“ und ähnliches. Ich habe immer gedacht, es ist falsch, wenn Spieler nicht gleich zum Einsatz kommen, aber so ist das Format, das ist schade.“ Das Wetter spielte in Wales verrückt, der Ryder Cup fiel zweitweise ins Wasser, das war eine besondere Herausforderung für Offizielle und Greenkeeper, aber auch für das Team. „Wir verloren die erste Session, das kann passieren.
Graeme McDowell und Rory McIlroy
Graeme McDowell und Rory McIlroy
Auch die zweite Runde ging verloren, und ich dachte ‚Moment mal, ein Drittel ist um, wir liegen 6:4 hinten, das geht hier in die falsche Richtung. Und als wir bereit waren zu kämpfen, kam die große Regenpause. Bis dahin hatte ich nicht viel gesagt, aber jetzt griff ich ein. Ich wollte die Leidenschaft wieder sehen, wollte das Publikum jubeln sehen.“ Monty, wie er von seinen Fans genannt wird, berichtet, dass er alle Ansprachen im Mannschaftsraum im Stehen hielt. Er wusste aus eigener Erfahrung als Spieler, wie groß der Druck war, der auf den Spielern lastete, und er spürte, sie wollten sich auch äußern. „Aber bei dieser Gelegenheit redete nur ich. Ich spürte, sie spielten nicht füreinander, wie wir uns das vorgestellt hatten. Also machte ich ein paar Änderungen. Ich wechselte bei Lee Westwood und Martin Kaymer. Ich war nicht glücklich mit Ian Poulter gemeinsam mit Ross Fisher, tauschte auch da. Wir stellten Kaymer und Poulter zusammen, das funktionierte gut. Und dann Westwood mit Luke Donald. Ich dachte, wenn die verlieren, Hut ab vor den Amerikanern! Westwood und Donald spielten gegen Steve Stricker und Tiger Woods, das beste Team der Amerikaner. Sie stampften sie mit 6&5 in den Boden. Das war so wichtig für uns, das erste Match des Tages hat große Bedeutung.“ Für das Finale hatte Kapitän Montgmoerie drei Szenarios, eines für den Fall des Rückstands, eines für Gleichstand, eines für Führung.
Graeme McDowell
Graeme McDowell
„Graeme war unsicher, was ich mit ihm plante. Er ging aus dem Meeting und dachte, wie blöd, ich spiele am Ende des Feldes ein unbedeutendes Match. Dabei war er meine Bank für den Fall, dass wir den stärksten Spieler am Ende benötigen würden, und exakt so kam es dann ja auch. Als Rickie Fowler gegen Edorado Molinari mit einem Birdie an der 18 ausglich, lastete alles auf Graemes Schulter. Aber als er an der 16 dieses unglaubliche Eisen schlug und den Putt lochte, fühlte ich mich das erste Mal in dieser Woche völlig sicher. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Hunter die letzten beiden Löcher gewinnen würde.
Graeme McDowell
Graeme McDowell
Die Szenen auf der 17, als Mahan die Hand zu Graeme ausstreckte und ihn beglückwünschte, waren unglaublich. Ich kam nicht mal an ihn heran. Furore, Emotionen, ich wollte ihm gratulieren, konnte nicht. Als Kapitän hätte ich das schaffen müssen, es ging nicht. Ich ging den Berg hinauf zum Klubhaus, wartete dort auf ihn. Das Publikum war fantastisch – großer Respekt für alle.“

Der 47jährige Colin Montgomerie hat seine Berufung voll gerechtfertigt, und wurde noch ein weiteres mal belohnt. Er gewann die „BBC Sports Personality of the Year“, und in seiner Dankesrede vergaß er nicht, seine Co-Kapitäne Thomas Björn, Darren Clarke, Paul McGinley und Sergio Garcia zu erwähnen. Wie glücklich er über diesen Sieg war, machte er in seiner Dankesrede deutlich: „Ich habe nicht einen einzigen Schlag gemacht, aber es ist der stolzeste Moment meiner Karriere.“

Redaktion: Bernd J. Störtebek 

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