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Mittwoch, 27. August 2008 |
Lange, gerade Drives, - das ist der Traum jedes Golfspielers. Eine schöne, steigende Flugbahn, eine weiche Landung, der Ball macht einen Satz nach vorn und rollt mitten auf dem Fairway aus. Und die Wirklichkeit? Sieht leider meist anders aus – der Ball will nicht so recht in die Luft, landet nach kurzer Flugbahn, ein Holz 3 oder Eisen 4 hätten ihn genau so weit befördert. Der Weg zum Grün ist noch weit, ein Par kaum zu erzielen. Vielleicht muss mal wieder ein Driver ins Bag?
Falsch, vielleicht muss endlich mal ein passender Schaft an den Schlägerkopf! Die Bedeutung der Schäfte wird gern unterschätzt. Stahl oder Graphit, Regular oder Stiff – das war einmal, heute geht es um viel mehr. Für jeden Spieler und jeden Schwung geht es um einen optimalen Abflugwinkel des Balles, um den Ball auf seine ideale Flugbahn zu befördern. Egal, ob Sie ein Sechser oder Sechunddreissiger sind, für jeden Spieler gibt es die Möglichkeit, sich für sein Spiel bestens zu rüsten. Und zwar nicht nur durch den Loft des Schlägerkopfes, sondern vielmehr durch die Wahl des richtigen Schaftes. Die Hersteller haben dieses Problem erkannt, allen voran Callaway Golf. Nachdem sie bereits vor zwei Jahren mit dem „Optifit“-System 1284 Schlägerkopf-/Schaftkombinationen angeboten haben – darin sind 57 Schäfte der besten und bekanntesten Hersteller der Welt enthalten –gehen sie mit dem neuen I-Mix-System noch einen Schritt weiter. Jetzt stehen mehr als 1600 Kombinationen zur Verfügung. Das System funktioniert wie folgt: Mit einem speziellen Schraubenschlüssel wird die Verbindung von Kopf und Schaft über eine Kupplung und ein gefrästes Titangewinde hergestellt. Der Schläger verhält sich dann genau so wie ein verklebter Kopf. Mit Hilfe eines sachkundigen Fitters wird dann die optimale Schlägerkopf-/Schaftkombination ermittelt. Ein Schlägerkopf mit mehr Loft und ein flexiblerer Schaft können die Flugweite des Balles vergrößern, ein kürzerer Schaft sorgt für mehr Kontrolle, ein leichterer Schaft kann die Schlägerkopfgeschwindigkeit steigern und somit zu mehr Weite führen. Das I-Mix-System bietet Schäfte von Aldila, Fujikura, Graphite Design, Grafalloy, Matrix, Mitsubishi und UST – damit sind alle führenden Schaft-Hersteller vertreten. Die beiden Komponenten, die einen optimalen Ballflug ermöglichen, sind der „Launch Angle“ und die „Spin Rate“. Bernd Castan, Fitting-Experte aus Hamburg, erläutert das: „Der optimale Launch Angle, der Abflugwinkel ist bei jedem Golfer unterschiedlich, liegt aber immer im Bereich zwischen zwölf und sechzehn Grad. Die „Spin Rate“ bezeichnet die Drehgeschwindigkeit des Balles, seine Umdrehungen pro Minute. Diese Geschwindigkeit sollte idealerweise bei etwa 2500 Umdrehungen liegen. Mit Fitting nach Maß und der Hilfe eines Launch Monitors lassen sich diese Werte genau ermitteln.“ Alle führenden Hersteller bieten mittlerweile ihre Hölzer und mit einer großen Auswahl an Schäften an. Die Schäfte sind nicht nur „Regular“ oder „Stiff“, sondern in allen Bereichen genau definiert. Damit wird es möglich, für Golfer aller Klassen das Material zu finden, das das Beste aus ihrem Schwung macht. Das Beste aus dem Schwung machen, das ist auch die Idee des Hamburgers Andreas Stulz, der das Schaftproblem auf ganz individuelle Weise gelöst hat. Seine Idee ist ein in einem genau definierten Bereich dreieckiger Schaft. „Jede Schaft verdreht sich im Treffmoment, vor allem dann, wenn der Ball nicht mittig getroffen wird, das ist ein bekanntes Phänomen“, erläutert er den Auslöser für seine Idee. Was kann man tun, damit der Ball weiter und gerader fliegt, war seine Frage an die Entwicklungsingenieure? Ihr Vorschlag: um den Schaft im Treffmoment zu stabilisieren, sollte der Schaft in einem definierten Bereich dreieckig sein, das würde das Verdrehen verhindern. Das war im Jahre 2003 die Geburtsstunde des „Tri Edge“-Schaftes, der viele Testphasen durchlaufen hat und jetzt Serienreife hat. Nach Stulz Überzeugung macht er jeden Driver besser. Aber um auch da sicher zu gehen, hat er einen eigenen Driverkopf entwickelt und auch seine Fairwayhölzer gehen schon in Serie. Nächster Schritt sind Schäfte für Eisen und für Wedges. Von seinem Driver mit dem dreieckigen Schaft ist er übrigens so überzeugt, das er ihn per Internet dreißig Tage zum Testen anbietet. „Das Ergebnis gibt mir recht, die Rückläufe sind ganz gering“, zieht er zufrieden eine erste Bilanz. Auch auf der Tour macht sein Schaft Furore, etliche Profis setzen seinen Schaft ein. Namen darf er nicht nennen, deren Verträge mit großen Sponsoren untersagen dies.
Die Entwicklung der Schäfte verspricht noch viel Neues, so kommt der amerikanische Branchenprimus Aldila jetzt mit einem Schaft auf den Markt, der die Energieübertragung des Schwungs auf den Ball in neue Dimensionen führen soll. Der „Aldila DVS“ verspricht einen Extra-Kick im Treffmoment. Grafalloy kommt mit dem „Epic“. Der Schaft integriert Nanokristalle in den Graphitschaft und soll zu bisher nicht bekannter Stabilität eines Golfschaftes führen. „Graphit für die Länge, Nano für die Genauigkeit“, so fasst Entwicklungschef Dr. Gino Palumbo das Ergebnis zusammen. Karbonzusätze, Nanotechnologie – die Technologie dringt in neue Dimensionen vor. Japanische Hersteller wir Accra, Diamana, Fujikura, Graphite Design und UST stellen ständig neue Schäfte vor, die viel versprechen. Doch ob die Ankündigungen auch alle auf dem Platz gehalten werden, muss am Ende wohl jeder Spieler selbst herausfinden. Und wenn man sieht, dass selbst ein Tiger Woods – ausgestattet und gefittet wie kein zweiter – kaum mehr als die Hälfte der Fairways mit dem Driver trifft, müssen wohl auch Amateure trotz aller technischen Fortschritte hinnehmen, gelegentlich aus dem Rough weiterspielen zu müssen. – trotz allen technischen Fortschritts. Vielleicht würde Golf aber sonst auch gar nicht so viel Spaß machen.
Bernd J. Störtebek
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