Ein Denkmal stürzt sich selbst Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Februar 2010
Die „Pressekonferenz“ von Tiger „Eldrick“ Woods am Freitag, den 19. Februar 2010 war wirklich reif für einen Oskar. Was die Nummer Eins der Golfwelt zusammen mit seinem Management IMG (International Management Group) an diesem Tag produzierte, könnte wohl als größte Farce in die Sportgeschichte eingehen. Was war geschehen?

Tiger WoodsTiger Woods und IMG hatten gemeinsam mit Tim Finchem („Commissioner“, quasi Vorstandsvorsitzender der PGA) beschlossen, an diesem Tag, zum ersten Mal nach dem Autounfall am 27.November 2009 und den bekannt gewordenen Gespielinnen der Nr. 1 der Golfwelt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Höchste Zeit, denn sowohl die Journalisten als auch die Fans warteten gut drei Monate auf Tiger´s Erklärungen. Unter Polizeischutz wurde Woods von Windermere, seinem Wohnort bei Orlando in Florida, in die Tiefgarage des PGA Headquarters in Ponte Vedra Beach, auf das Gelände des TPC Sawgrass (Austragungsort der Player’s Championship) geleitet, weil man Angst vor Belästigungen hatte. Stellt sich die Frage, wer sollte den Golfstar belästigen, denn im Auditorium saßen doch nur eine Hand voll ausgewählte Journalisten, ein paar Freunde und seine eigene Mutter? Hinzu kam, dass es niemandem gestattet wurde, bei dieser Pressekonferenz irgendwelche Fragen zu stellen. Den genau 13 ½  Minuten langen Monolog, den wohl sein persönlicher IMG-Berater Mark Steinberg verfasst hatte und ihm sauber auf ein Blatt Papier drucken ließ, hätte man sich mitsamt der ganzen Veranstaltung, sparen können. Wohl über Tage einstudiert, verlas Tiger seinen Text, meistens ausdruckslos und ohne Emotionen, teils stockend und mit einer Träne im Knopfloch - das sollte wohl menschliche Regung darstellen. Sein Auftritt auf dieser Bühne war ihm sichtlich unangenehm, nichts vom stolzen Gang und der stolzen Haltung war geblieben. Der Tiger als jaulendes Kätzchen, das war echt peinlich. Noch peinlicher der dünne Inhalt seines Statements, dreizehn Mal hörte man das Wort „sorry“, jedoch kein einziges Mal fiel das Wort „Schuld“. Die Vereinigung der amerikanischen Sportjournalisten, die über Golf berichten – immerhin 950 Kollegen - beschwerte sich massiv und boykottierte die Berichterstattung.

Tiger WoodsWann Eldrick Woods als „Tiger“ wieder auf seine Bühne zurückkehrt, wann er seinem Beruf als Golfer nachgehen wird, blieb auch unklar. Zunächst geht es wieder in die Sucht-Therapie – Ende der Veranstaltung.  Auch seiner Frau Elin hat er einen Bärendienst erwiesen, als er darauf hinwies, dass „es im Hause Woods nie zu häuslicher Gewalt kam“, dies aber öffentlich behauptet wird. Jeder weiß mittlerweile, dass die Polizei seit November 2009 Ermittlungen darüber anstellt, warum Frau Woods mit einem Golfschläger bewaffnet an der Unfallstelle stand und warum sie mit diesem Schläger das Rückfenster des Wagens eingeschlagen hatte und den verschreckten Gatten zu einem Fahrmanöver veranlasste, das nach Streifen eines Hydranten an einer Palme endete. Hier gibt es einige Parallelen zu seinem Statement im vergangenen Dezember, als Woods auf seiner Webseite erklärte, das an den Gerüchten, er hätte eine Geliebte, nichts dran sei und dies eine haltlose Unterstellung ihm gegenüber und seiner Familie sei. Was kam dabei heraus? Die Journalisten deckten auf, dass es nicht eine, sondern zwischen 14 und 20 Geliebte gewesen waren, die echte Anzahl steht jedoch bis heute nicht offiziell fest. Damit hat Tiger der Presse wieder die Gelegenheit gegeben, weiter zu wühlen, bis die echte Wahrheit ans Tageslicht kommt.

Tiger Woods: Accenture WerbungNicht nur mit dieser Pressekonferenz hat sich der Sportmilliardär lächerlich gemacht, sondern auch mit der Terminauswahl. Viele Sponsoren und auch Spieler fanden es einen Affront, dass er genau am Freitag der Accenture Matchplay Championship an die Öffentlichkeit ging. Wir erinnern uns: Accenture war einer seiner großen Sponsoren, löste im Dezember 2009 aber auf Grund der Vorkommnisse den Vertrag mit Woods auf. Ernie Els fasste zusammen, was viele Spieler dachten: „Das ist selbstsüchtig. Das können Sie gern schreiben. Der Sponsor des Turniers tut mir leid. Montage sind gut für Verlautbarungen, Freitage nicht. Das nimmt dem Turnier einiges weg“. Sergio Garcia stärkte Els den Rücken: „Die Wahl des Zeitpunkts war nicht glücklich“. Die Professionals sind typischerweise eher zurückhaltend mit Statements dieser Art. Man kann ermessen, was seine Kollegen in der Umkleidekabine gedacht haben müssen, wenn Spieler in der Öffentlichkeit so deutlich werden. Viele Freunde hat Woods nie gehabt, mehr sind es am letzten Wochenende sicher nicht geworden.

Was den Chef der U.S. PGA Tour, Tim Finchem, geritten hat, diesem Termin und dann noch in seinem eigenen Hause zuzustimmen, bleibt wohl auch sein Geheimnis. Gerade in der Zeit, wo sich viele Sponsoren auf Grund der Wirtschaftskrise Gedanken machen, sich aus dem Golfsport erst einmal zurückzuziehen, sollte man doch alles tun, um ihnen nicht noch zusätzlich vor den Kopf zu stoßen. Mark Steinberg, der Manager von Woods, reagierte auf die Kritik kryptisch, indem er behauptete, die Gründe für diesen Zeitpunkt würden noch offensichtlich werden. Was das bedeuten soll, weiß keiner.

Elin NordegrenVon Elin Nordegren gab es nach Tiger´s Auftritt kein Statement. Elin´s Vater, Thomas Nordegren, sah sich die Pressekonferenz in Schweden an, sein Kommentar: „Ich habe es gesehen, werde aber nichts dazu sagen.“ Allerdings wird behauptet, Eldrick Woods soll versucht haben, seine Noch-Ehefrau zu einem gemeinsamen Foto zu überreden, was diese empört ablehnte. Vielleicht sollte Woods Elin auch langsam abhaken, sein Freund Donald Trump, Immobilien-Tycoon und wie Woods Milliardär, rät jedenfalls zum Thema Eherettung, Woods sollte ein Playboy werden: „Ich frage mich, ob sie überhaupt versuchen sollten etwas zu retten. Das Ganze ist so kaputt, selbst wenn nur die Hälfte stimmt. Ich würde empfehlen, das als schlechte Erfahrung abzuhaken, bye-bye zu sagen, ein wunderbarer Playboy zu werden, Turniere zu gewinnen und das Leben zu genießen.“

Das würde seinem Management sicher gar nicht gefallen, denn nur das Heile-Welt-Alle-Sind-So-Lieb-Image hat dazu geführt, das der Golfer zum  Superstar mit Vermarktungsstrategie für alle sozialen Schichten und Hautfarben wurde. Immerhin hat Trump mal einen völlig neuen Aspekt in den Raum geworfen, Woods ist das in seinem langweiligen Monolog nicht gelungen. Zusammenfassend bleibt die Erkenntnis, dass Tiger Woods gar nichts Neues mitzuteilen hatte. Seine Rede ähnelte den Worten, die er im Dezember auf seiner Webseite bereits veröffentlichte, allerdings besser ausgeschmückt sowie live und in Farbe. Wäre er ein richtiger Mann und würde er sich nicht immer noch für unantastbar halten, hätte er eine richtige Pressekonferenz abgehalten oder sich ins Studio zu Jay Leno oder Oprah Winfrey gesetzt und sich ihren Fragen gestellt. So hat er ordentlich an seinem Denkmal gerüttelt und ist auf dem besten Wege, sich selbst vom Sockel zu stürzen.

Schade für die Golfwelt, denken viele. Aber einige denken schon weiter. Viele gute Spieler stehen in den Startlöcher für großes Golf und dramatische Siege, Rory McIlroy, Lee Westwood, Martin Kaymer, Henrik Stenson, Camillo Villegas, Anthony Kim, Dustin Johnson, Ernie Els, Phil Mickelson. Und auch Paul Casey und Ian Poulter, die Finalisten des letzten Wochenendes, bieten eine große Show. Als Tiger Woods vor knapp 14 Jahren auf die Tour kam, fürchteten alle seine Dominanz. Doch ein weiser Tourveteran sagte damals: „Nobody is bigger than the game“. Das war vor Woods so, das ist mit Woods so und das wird auch nach ihm so sein.

» 2 Kommentare
1"Übersicht"
am Freitag, 26. Februar 2010 14:40von Heinrich
Vielen Dank für die Übersicht und die Zusammenhänge. Aber ich fände es schade, wenn Tiger Woods nicht zurück käme! Hoffentlich mischt er bald wieder mit!
2"Was gibts Neues?"
am Dienstag, 9. März 2010 16:59von Ralph
Weiis eigentlich jemand, wann Tiger wieder auf die Tour kommen will?
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