|
Gary Player: „Bernhard Langer ist ein Vorbild für junge Menschen in aller Welt.“ |
|
Freitag, 18. Februar 2011 |
Der 75jährige Südafrikaner Gary Player nimmt in diesem Jahr zum 23. Mal an der „Ace Group Classic“ statt, das Turnier wird auf dem Platz „The Quarry“ ausgetragen. Er ist eine lebende Legende des Golf, hat alle Majors gewonnen, ist der einzige Spieler, der bislang in sechs Jahrzehnten Turniere gewinnen. Topfit und mit viel Humor stellte er sich in Naples im Vorfeld des Turniers der „Champions Tour“ zum Interview.
teeoff24: Gary, Sie schlagen hier zum 23. Mal ab, mit Abstand die häufigste Teilnahme in der Turniergeschichte, und Sie waren der erste Sieger im Jahre 1988. Erinnern Sie sich noch gut an den ersten Sieg hier in Naples?
Gary Player: Zuerst einmal möchte ich sagen, jeder kommt besonders gern hier nach Naples. Es ist ein ganz besonderer Ort, und wir haben das Turnier immer wieder auf anderen Golfplätzen ausgetragen. Wahrscheinlich auf mehr unterschiedlichen Plätzen als irgendein anderes Turnier, aber es ist immer hier vor Ort geblieben, und es ist ein sehr, sehr gutes Turnier. Dazu der Golfplatz, der wirklich in fantastischem Zustand ist, nicht ganz einfach für die Zuschauer auf diesem sehr weitläufigen Gelände, aber das Publikum hier ist sehr enthusiastisch.
teeoff24: Vielleicht doch noch ein paar Worte zum ersten Sieg in 1988?
Gary Player: Ach wissen Sie, wenn man 75 ist und sich an etwas aus 1988 erinnern soll, das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, ich habe mit Dave Hill um den Sieg gekämpft, und das Turnier wurde erst auf den letzten Löchern entschieden. Aber das ist alles, woran ich mich erinnere.
teeoff24: Im letzten Jahr haben sie noch an drei Turnieren der „Champions Tour“ teilgenommen. Ist das so eine Art Rückzug, was haben Sie in letzter Zeit so gemacht?
Gary Player: Ich bin als Architekt sehr aktiv, habe eine ganze Reihe Projekte in Arbeit. Und es ist wirklich sehr hart zu spielen, wenn Du nicht jede Woche spielst und übst und Dich nicht wirklich dem Turnierspiel widmest. Ich bin ja offiziell im Ruhestand, darf aber noch an elf Turnieren teilnehmen, letztes Jahr habe ich drei gespielt. Dieses Jahr wird es ähnlich sein, ich bin aber trotzdem noch sehr viel auf Reisen.
teeoff24: Wie steht es um Ihre Fitness?
Gary Player: Oh, ich arbeite dauernd daran. Ich mache Situps, fünf Mal die Woche, meine normalen Workouts und ein paar andere Dinge. Das hält mich in Form, ich kann mit einer Menge Energie auf den Golfplatz gehen. Wissen Sie, was interessant ist? Arnold (Palmer) und Jack (Nicklaus) haben immer gedacht, ich sei verrückt, als wir zusammen auf den Turnieren waren und ich ständig im Fitnessstudio war und mit den Gewichten gerungen habe. Damals hat keiner daran geglaubt. Und ich habe es getan und es macht heute einen Riesenunterschied.
teeoff24: Und wo sehen Sie Athletik im Golf heute?
Gary Player: Der größte Unterschied ist, das achtzig Prozent der Athleten leistungsfördernde Mittel nehmen. Das ist eine Tragödie. Alle sagen, Golf ist der sauberste Sport, aber ich weiss das nicht. Die Welt hat sich sehr, sehr verändert. Die Verführung ist so groß, und ich weiss nicht, wie man das aufhalten kann. Leute sterben, Leute gehen ins Gefängnis, jeden Tag liest man etwas.
teeoff24: Auf der Tour spielen jetzt Leute, die sind 25 Jahre jünger als Sie. Was denken Sie darüber?
Gary Player: Auch Bernhard Langer ist mehr als zwanzig Jahre jünger. Und ja, er ist ein Vorbild, ein echtes Vorbild für junge Menschen in aller Welt. Schauen Sie sich seinen Körper an! Ich denke, das größte Problem der USA wird Fettleibigkeit sein, schon jetzt sterben daran mehr Menschen als in allen Kriegen zusammen. Man liest so wenig darüber. 26 Prozent der Jugendlichen sind fettleibig und mehr als fünfzig Prozent der Erwachsenen, und wahrscheinlich haben 100 Millionen Amerikaner Diabetes. Wie das Gesundheitssystem das tragen soll, muss mir jemand erklären. Daran denke ich, wenn ich jemanden wie Bernhard sehe. Ein junger Mann kann mit seinem Vater und mit seinem Großvater zum Turnier kommen und sagen: schaue Die den Mann an, ein „Senior“, aber wie gut der in Form ist. Und Bernhard ist ein Gentleman, ein echter Gentleman.
teeoff24: Ein paar Gedanken zu Augusta?
Gary Player: Ja, diese Erinnerungen sind etwas ganz Besonderes. Ich habe Bobby Jones noch getroffen, Clifford Roberts, den Mitbegründer, Präsident Eisenhower und dann diese Kämpfe mit Jack und Arnie. Ich habe die meisten Cuts in Folge geschafft, war 14 mal in den Top Ten, keiner hat die Master öfter gespielt als ich. Das sind wunderbare Erinnerungen, und das ist ein großartiger, wunderschöner Platz.
teeoff24: Und die British Open?
Gary Player: Ich liebe die British Open. Für mich das Turnier Nummer Eins in der Welt. Ich habe meine persönliche Wertung für alle vier Majors. Das Masters ist das Beste, aber es wird Jahr für Jahr auf demselben Platz ausgetragen, bei der British Open muss man sich immer wieder auf einem anderen Platz bewähren.
teeoff24: Wie sehen Sie die Präsenz der Europäer im Moment?
Gary Player: Nicht nur der Europäer, der Rest der Welt. Von den fünfzig besten Spielern der Welt kommen heute nur noch etwa 15 aus den USA. Das überrascht mich wirklich. Amerika hat die besten Sportanlagen, die besten Trainer, warum geht es mit Amerika nicht voran? Die amerikanischen Kids sind satt, sie gehen aufs College, haben ein Auto, ein Mobiltelefon und wenn es ein Problem gibt, rufen sie zuhause an. Einige rauchen, einige nehmen Drogen, einige trinken. Wenn Sie heute nach Asien kommen, erleben Sie hungrige junge Menschen. Hungrig nach Erfolg, nach Leistung, nach Siegen. Und sie arbeiten hart dafür. Die sind da, wo dieses Land am Anfang stand. Die Urgroßväter der Amerikaner kamen hierher, haben hart gearbeitet, Tag und Nacht. Heute denken junge Leute, sie kommen von der Uni und da draußen wartet der gut bezahlte Job, aber das wird nicht passieren. Alles verändert sich und das wird ein großer Schock. Die jungen Leute haben keine Arbeitsethik mehr, sie machen es sich einfach im Land von Milch und Honig. Verstehen Sie, was ich meine? Schauen Sie sich das Damengolf an, die Koreanerinnen übernehmen das Zepter in den USA.
teeoff24: Wo sehen Sie denn die Champions Tour im Moment?
Gary Player: Wenn ich Menschen erzähle, dass ich auf meine neun Majors-Titel auf der Champions Tour stolzer bin als auf die Titel der regulären Tour, schauen sie mich komisch. „S-H-I-T“, sagte einer zu mir auf Hawaii. Das ist ihre Meinung, sagte, was haben Sie für ein Handicap? 21 war seine Antwort und mein Kommentar, dann werden Sie das nie verstehen. Du musst Majors nach Deinem 50. Geburtstag gewinnen, nicht vorher. Die Jungs, die hier spielen, haben einen so hohen Standard, das ist vermutlich das Beste, was ich in meiner Karriere gesehen habe. Und dann denken Sie doch mal an Tom Watson. Mit 60 hätte er um ein Haar noch die British Open gewonnen, und er hätte sie gewinnen sollen.
teeoff24: Gary Player, wir danken für das offene Gespräch.
» 1 Kommentar
1"Doping im Golfsport?" am Freitag, 18. Februar 2011 22:49
Achtzig Prozent der Golfer auf der Tour nehmen leistungsfördernde Mittel. das wäre doch ein recht heisses Diskussionsthema. Ob da mein Bierchen nach dem 9.Loch auch darunter fällt? Gruss aus Sao Paulo Klaus
» Kommentar schreiben
|
|
Kommentare:
Mallorca Golfcard: 14 Golfanla...
Golfer des Monats: Martin Kaym...
LPGA: Sandra Gal führt in Orla...
Mickelson wird 2012 in die Hal...
Arnold Palmer: Golf-Legende sp...
|
|