In dieser Rubik wollen wir Sie darüber informieren, wie man seinen Körper gesund halten kann, um noch bis ins hohe Alter über die Fairways und Grüns zu wandeln. In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Herzen und den Blutgefäßen, besser gesagt den Arterien. In Ostdeutschland und Rheinland-Pfalz ist das Todesrisiko, was Herzinfarkte betrifft, am höchsten. In Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein überleben die meisten Infarktopfer. Grund für die ungleiche Verteilung: Nicht überall gibt es genügend spezialisierte Ärzte und Kliniken mit Herzkatheterlabor, Akut-Patienten sind zu lang unterwegs, dies zeigt eine Studie aus dem Jahre 2009.
Insgesamt ist die Zahl der Herzinfarkt-Toten seit dem Jahr 2000 jedoch erfreulicherweise um 15,4 Prozent (10 507 Fälle) gesunken.
Wir haben in dem Kardiologen Prof. Dr. med. Thomas Ischinger einen der besten Herzkatheter-Spezialisten der Welt gewinnen können, um über dieses Thema zu sprechen.
Golfspielerinnen und -spieler ab 40 leiden häufig an Rückenschmerzen, haben Übergewicht und kommen in das Alter, indem der Herzinfarkt ein Thema ist. Wie kommt das?
: Übergewicht und Herzinfarkt - die typischerweise nach dem 40igsten Lebensjahr häufiger werden - sind sicher nicht ursächlich mit dem Golfspiel verbunden, soviel die gute Nachricht. Vielmehr ist das Herzinfarktrisiko u.a. Folge von bestimmten Risikofaktoren für Gefäßatherosklerose. Dazu zählen Risikofaktoren, die beeinflussbar sind, wie Übergewicht
(verursacht durch Bewegungsmangel, durch zu viele Kalorien, oft auch durch zu viel Alkoholgenuss!), ungesunde Nahrung, Bewegungsarmut, Rauchen und teilweise auch psychischer Stress, also Faktoren, die den Lebensstil betreffen. Zusätzlich spielen weniger gut beeinflussbare (Krankheits-) Faktoren eine wesentliche Rolle: Zuckerkrankheit, besonders wenn schlecht behandelt, oder arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Fettstoffwechselstörungen. Schließlich sind rein genetische Faktoren von ganz wesentlicher Bedeutung, die bisher nicht steuerbar sind. Deshalb gilt es vor allem die steuerbaren Risikofaktoren zu reduzieren und zu kontrollieren. Sportliche dynamische Ausdauerbelastung kann sehr günstig wirken. Golfsport alleine kann dabei ein hilfreicher Baustein der Gesundbleiben-Strategie sein, ist oftmals bei entsprechend Risiko beladenen Lebensstilen - wie sie bei Golfspielern vielleicht doch nicht selten sind? - aber alleine kein ausreichendes Rezept. Eingebettet in einen gesunden Lebensstil hat der Golfsport als zusätzliche körperliche Aktivität und zur Entspannung, aber sicher einen sehr guten Gesundheitswert.
Dass Golfspieler ein erhöhtes Risiko haben, an Rückenschmerzen zu leiden, ist hingegen ursächlich mit dem typischen Bewegungsmuster des Golfspielens verbunden: einseitige, oft abrupte Belastung der beteiligten Gelenke, Sehnen und Muskeln von Schultergürtel und Wirbelsäule - Brust- und Lendenwirbelsäule. Gerade in diesen Bereichen sind Freizeitsportler wenig bis nicht trainiert und damit unvorbereitet für die plötzliche Belastung. Ganz wesentlich ist daher ein Aufbautraining der gesamten Muskulatur -10 min täglich können hier Grosses vollbringen! - und eine Strategie zur kurzfristigen Vorbereitung des Körpers vor dem Einsatz. Golfspieler, die auch andere Sportarten betreiben oder eine kontinuierliche und ausgewogenere körperliche Belastung erfahren, haben kaum golfinduzierte Rückenschmerzen.
Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?
Prof. Dr. med. Ischinger: Wesentlich ist, die bestehenden und beeinflussbaren Risikofaktoren zu erkennen und diese zu reduzieren: Bewegung, kein Rauchen, kein wesentliches Übergewicht und ballaststoffreiche, gesunde (am besten selbst zubereitete) Ernährung, die 2 mal pro Woche Fisch beinhalten sollte und weniger rotes Fleisch. Bei zu hohem Blutdruck oder Diabetes sorgfältige Einstellung und häufigere Kontrolle der Werte. Auch Stressabbau ist wichtig, aber leichter gesagt als getan – vielleicht durch Golf?? Bei familiärer Vorbelastung – also Herzinfarkt bei Geschwistern oder Eltern – ist die Vermeidung von Lebensstil-Risikofaktoren und strikte medizinische Kontrolle von Hypertonie, Diabetes und Blutfettwerten doppelt wichtig! Entsprechende spezialisierte Vorsorgeuntersuchungen zur Überprüfung des Zustandes von Herz und von Gefäßen bieten wir Kardiologen an, sogenannte nicht invasive diagnostische Maßnahmen wie Ultraschalluntersuchung von Arterien (z.B. der Halsschlagader oder der Hauptschlagader) und des Herzens (Echokardiographie mit und ohne Belastungsuntersuchung), oft zusammen mit einer Blutuntersuchung. Manchmal ergibt sich aus diesen Ergebnissen die Empfehlung zu einer Herzkatheteruntersuchung.
Was sind die Anzeichen eines entstehenden Herzinfarkts und wie sollte man sich bei Symptomen richtig verhalten?
Prof. Dr. med. Ischinger: Ein Druckgefühl hinter dem Brustbein, manchmal vergleichbar einem Druck eines Reifens, der sich um die Brust zieht, ist das erste Anzeichen. Eine Ausstrahlung in den Oberbauch oder den Hals, manchmal die Arme, kann eintreten. Außer Druckgefühl kann der Schmerz auch brennenden Charakter haben. Bei diesen Anzeichen keine weitere Selbstdisziplin üben oder Hausmittel versuchen, sondern sofort den Notarzt rufen oder eine Klinik aufsuchen – was immer schneller geht.
Bis in die 80er Jahren hinein war die Behandlung von Gefäßverschlüssen (Herzinfarkt) nur medikamentös behandelbar. Der Patient wurde z.B. mit Morphium ruhig gestellt und bekam dann Tabletten und Infusionen. Heute gibt es da moderne Mittel einen Gefäßverschluss zu behandeln. Stichworte: Herzkatheter und Stent.
Prof. Dr. med. Ischinger: Ja, in der Tat hat sich die Akuttherapie des Herzinfarktes gewandelt: Sofort in die spezialisierte Herzklinik, wenn eine solche nicht gut erreichbar ist, in die nächste Klinik. Dort wird die Diagnose gestellt und im Falle eines drohenden Infarktes sofort eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt oder zu einer solchen per Notarzt überwiesen. Bei der Herzkatheteruntersuchung wird mit kleinen Kathetern, die vom Arm oder der Leistenarterie vorgeschoben werden, mittels Kontrastmitteleinspritzung in die Herzkranzgefässe festgestellt, ob und wo sich eine sogenannte Koronararterie verschlossen und damit den Infarkt ausgelöst hat. Mit feinen Ballonkathetern und Drähten wird der Verschluss dann eröffnet und die Stelle mit einem Stent (einem feinen Metallgerüst) gestützt. Eine ideale, schnelle und sehr effiziente Therapie, derzeit die beste!
Natürlich gibt es gute Gründe, bei bestimmten Patienten mit Verdacht auf Verengungen der Herzkranzgefässe (Koronarstenosen), z.B. weil Voruntersuchungen Hinweise gegeben haben oder bereits bestimmte Symptome (Angina pectoris) bei körperlicher Belastung oder (dann sehr dringlich!) bereits in Ruhe auftreten, eine Herzkatheteruntersuchung durchzuführen. Wenn nötig, d.h., wenn sich der Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung bestätigt, kann dann heute oft in gleicher Sitzung eine Aufdehnung der Engstelle (mit Stentimplantation) angeschlossen werden. Wir führen solche Eingriffe täglich durch; und wenn keine Behandlung notwendig ist, sogar manchmal ambulant.
Wie kommt es, dass ein Patient bei einer Herzkatheteruntersuchung und dem Einsetzen eines Stents nur eine lokale Betäubung bekommt und damit dem Eingriff zuschauen kann?
Prof. Dr. med. Ischinger: Lediglich die Punktion des Zugangsgefäßes und das Einführen des kleinen Katheters durch die Haut in die Arterie, in der Leiste oder am Handgelenk kann Schmerzen verursachen, so dass - wie beim Zahnarzt- vorsorglich eine lokale Betäubung der Haut durchgeführt wird. Im Inneren der Gefäße, beim Vorschieben der Katheter, geschieht keine nennenswerte Schmerzempfindung, auch nicht im Herzen selbst. Nur einen Durchblutungsmangel spürt man im Herzen, daher der Herzinfarktschmerz. Durch einen erfolgreichen Eingriff, also z.B. Wiedereröffnung des Verschlusses beim Herzinfarkt, verschwindet auch dieser Schmerz sofort. Der Patient ist im Allgemeinen bei einem Herzkathetereingriff bei vollem Bewusstsein und kann das Geschehen im Herzen auf dem Röntgenbildschirm verfolgen.
Muss die kleine Metallröhre (Stent) irgendwann einmal ausgetauscht werden oder bleibt sie ein Laben lang im Körper des Patienten?
Prof. Dr. med. Ischinger: Die kleine Röhre aus Metall (Stent) wächst binnen einiger Monate völlig ein und ist von Gefäßgewebe schließlich vollständig umschlossen. Sie verbleibt also für immer vor Ort und ist für den Patienten nicht spürbar. Allerdings sind bereits Stents in Erprobung, die sich binnen einiger Monate wieder ohne Rückstände auflösen können. Dies ist für manche Patienten eine angenehme Vorstellung; welche medizinischen Vorteile diese Entwicklungen wirklich bringen wird sich noch herausstellen.
Vielen Dank Herr Professor.

Prof. Dr. med. Ischinger, Dr. Ley, Dr. Friedrichsen
Eisenmannstr. 4
D-80331 München
Tel.: 089-25544790 oder Fax: 089-255447910
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www.kardiologie-im-zentrum.de
Nach dem Medizinstudium an der Universität Freiburg und internistischen
Ausbildungsstationen in Boston (USA), Marseille (Frankreich) und
München wechselte Prof. Ischinger mit Unterstützung eines
Fulbright-Stipendiums in die USA an die Emory Universität in Atlanta zur
spezialisierten Ausbildung in der invasiven Kardiologie (Herzkatheter)
und der interventionellen Kardiologie (Koronarangioplastie) durch den
Pionier auf diesem Gebiet – Prof. Dr. Andreas Grüntzig – mit dem er von
1981 bis 1983 klinisch und wissenschaftlich zusammenarbeitete.
Von dort folgte Prof. Ischinger dem Ruf an die Universitätsklinik der
St. Louis Universität (USA) als Direktor der Abteilung für
Interventionskardiologie. 1984 kehrte er an das heutige Herzzentrum
München-Bogenhausen zurück. Es folgten die Anerkennung als Facharzt
für Innere Medizin und für den Schwerpunkt Kardiologie sowie 1986 die
Habilitation. 1990 erhielt Prof. Ischinger die Berufung zum
Universitätsprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bis 2010
war Prof. Ischinger in verantwortlicher Position am Herzzentrum
Bogenhausen im Gesamtbereich der klinischen Kardiologie tätig mit dem
Schwerpunkt auf modernen kathetergeführten minimal invasiven
Behandlungsmethoden von Herz- und Gefäßkrankheiten, einschließlich
innovativer Interventionen wie Implantation von Herzklappen mittels
Kathetertechnik oder Verfahren zur Schlaganfallverhütung.
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