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Martina Eberl: „Ich habe das Gefühl, ich bin ganz weit hinten“ |
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Mittwoch, 26. August 2009 |
Im letzten Jahr verbuchte Martina Eberl zwei Siege und wurde am Ende Dritte der Order of Merit -–durfte dadurch in diesem Jahr an drei der vier Majorturniere teilnehmen. Momentan liegt die Münchnerin auf dem 27. Rang der Order of Merit und hat nur eine Top-Plazierung, mit dem dritten Rang bei den HypoVereinsbank Ladies German Open auf dem Konto. Grund genug für uns, einmal nachzufragen, wie Deutschlands beste Golferin die laufende Saison so einschätzt?
Hallo Martina, wie geht es Ihnen?
Martina Eberl: Mir geht es sehr gut. Ich bin wieder daheim, die Hälfte der Saison ist vorbei. Sie ist zwar nicht so gut verlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber es immer noch o.k.. Ich bin wieder gesund, meine Handgelenksverletzung ist ausgeheilt und dies ist das aller Wichtigste.
War das Handgelenk in den letzten Wochen das größte Problem beim Golf spielen?
Martina Eberl: Es war zwischendrin sicherlich das größte Problem, gerade während den Women´s U.S. Open, wo ich nach neun Löchern aufhören mußte. Es kann sich niemand vorstellen, wie schwierig es ist, mit einem stechenden Schmerz im Arm zu spielen, denn der Arm ist ja einer der wichtigsten Körperteile in meinem Sport. Dann geht einfach nichts mehr. Hinzu kam, dass ich in der Zeit der Handgelenksverletzung auch Vertrauen in mein Spiel verloren habe. Dieses baue ich gerade wieder auf. Es ist mir bis jetzt noch nicht ganz gelungen, aber ich habe ja noch ein paar Turnier in dieser Saison zu bestreiten.
Sie haben gerade die Women´s U.S. Open angesprochen. Sie haben drei Majorturniere spielen dürfen – die McDonald Championship ausgenommen, da diese nur für die Spielerinnen der LPGA Tour und denen, die in der Weltrangliste ganz vorne liegen, vorbehalten ist. Wo liegen für Sie die gravierenden Unterschiede zwischen den Top-Turnieren der LET und denen der LPGA? Es können doch nicht nur die Plätze und das besser besetzte Spielerinnenfeld sein, oder?
Martina Eberl: Man kann die Turniere gar nicht miteinander vergleichen. Man kann auch keine U.S. Open mit den British Open vergleichen. Die British Open wird organisiert von der LGU und es ist alles sehr bodenständig. Man trifft hier wahnsinnig viele, aber sehr faire Zuschauer an. Sie klatschen für jede Spielerin, egal aus welchem Land sie kommt. Bei dem U.S. Open ist das anders, da wird viel mehr Tamtam gemacht. Ich habe noch nie erlebt, dass an einem Dienstag bei der Proberunde 40.000 Leute auf der Anlage waren. Ich hatte dann noch das Vergnügen mit Paula Creamer die zweite Proberunde zu spielen, bei der uns über 1.000 Zuschauer begleitet haben. Dies gibt es bei einer British Open, zum Beispiel, nicht. Auch die Golfplätze lassen sich nicht Vergleichen. Bei den British Open wurde ein typischer Links-Platz gespielt. Bei den U.S. Open habe ich im Verhältnis zu anderen Austragungen noch nie einen so schweren Platz gespielt. Das Rough allgemein und um die Grüns war richtig hart. Dies ist ja auch das, was man bei den Männern so sieht, woran sie dann auch verzweifeln. Ich war ja zum ersten Mal dabei, aber die anderen Spielerinnen haben auch gesagt, dass es der schwerste Platz bisher war, den man je gespielt hat. Es ist aber trotzdem eine Ehre, wenn man bei den Majorturnieren mitspielen darf, keine Frage.
Da erschließen sich Parallelen zu Martin Kaymer. In Europa spielt er sensationell, gewinnt mit Frankreich und Schottland zwei große Turniere hintereinander, kommt auf amerikanischen Boden, ob bei Major- oder WGC-Turnieren und spielt dort weit unter seinen Möglichkeiten. Woran kann so etwas liegen?
Martina Eberl: Ich glaube, da gibt es viele Faktoren. Ich glaube der Hauptfaktor ist die sogenannte „Comfort Zone“, also das sich Wohl fühlen. Der Martina ist jetzt auch schon ein paar Jahre auf der European Tour und hat sich mit anderen Spielern angefreundet. Dies hat man gerade in Schottland gesehen, als ihm die Spanier am Schlußloch auf die Schulter geklopft haben. Dies erlebt man in den USA nicht, hier ist alles steriler und nicht so freundschaftlich. Da fehlt, meines Erachtens, ein bißchen die Herzlichkeit. Der zweite Punkt ist, dass die Golfplätze schwieriger sind bzw. schwieriger hergerichtet werden. Ich glaube nicht, dass Martin schon oft auf so schnellen Grüns geputtet hat und der dritte Punkt ist, das hier die weltbesten Spieler gegeneinander antreten. Die European Tour ist zwar ausgezeichnet besetzt, aber es sind nicht die weltbesten am Start. Ich finde aber, dass sich Martin trotz dieser Umstände sehr gut schlägt, dies zeigt ja auch seine Position in der Weltrangliste.
Schauen wird auf die europäische Rangliste im Damengolf, da finden wir Sie momentan auf Platz 27. Da kann man doch zufrieden sein damit?
Martina Eberl: Hm..., na ja, ich bin es einfach nicht. Letztes Jahr war absolut mein bestes Jahr und damit sind auch die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle, gewachsen. Ich habe halt in diesem Jahr viele Sachen geändert, von denen ich gedacht habe, sie bringen mich weiter nach vorne. Ich habe meine Schläger gewechselt, ich habe meine Schäfte und Griffdicke gewechselt. Ich habe versucht meinen Schwung etwas umzustellen, habe in der Gym noch härter trainiert. Ich habe alles, was ich im letzten Jahr gemacht habe, noch mehr intensiviert, um besser zu werden. Dieser Schuß ist jetzt etwas nach hinten losgegangen. Klar ist es noch toll unter den besten 30 zu sein, aber ich bin es die letzten Jahre gewohnt gewesen, jede Woche ganz vorne mitzuspielen. Insofern habe ich das Gefühl, dass ich ganz weit hinten bin.
Im Vergleich zum letzten Jahr, war Ihr Turnierplan ja etwas auseinandergerissen, das Sie ja auch in den USA gespielt haben. Die Pause zwischen den Turnieren waren teilweise sehr lang. Hat dies auch dazu beigetragen, dass Sie nicht so richtig in die Turnierroutine rein gekommen sind?
Martina Eberl: Es war definitiv anders, als letztes Jahr, aber die amerikanischen Majorturniere spielen zu können waren halt Möglichkeiten für mich, die ich in meiner Karriere nur einmal oder vielleicht zwei Mal bekomme. Klar konnte ich während den U.S Open das Turnier in Spanien, welches zu meinen Lieblingsturnieren gehört, nicht spielen können, aber das habe ich gerne geopfert. Die ganze Saison ist für mich eine neue Erfahrung und so nehme ich dies jetzt auch mit. Sie haben aber schon Recht, es war schon schwieriger, nach den Pausen, wieder den Rhythmus zu finden. Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr sechs Turniere weniger haben oder sogar sieben, da wird es dann noch schwerer im Fluß zu bleiben.
Kommen wir zu letzten und wohl härtesten Erlebnis in diesem Jahr. 3,35 Punkte fehlten Ihnen, um sich für den Solheim Cup zu qualifizieren. Wie weh hat das getan?
Martina Eberl: Ich habe gedacht, es tut mir noch mehr weh, als es wirklich tut. Mich tröstet es einfach, dass ich weiß, ich habe dieses Jahr nicht so gut gespielt und das ist der Grund. Wenn ich jetzt die gleichen Ergebnisse, wie im letzten Jahr, abgeliefert hätte und dann nicht im Team wäre, dann würde ich die Welt nicht mehr verstehen. Ich habe dieses Jahr eben nicht so gut gespielt, es ist immer noch Sport und im Sport zählt Leistung. Klar gibt es den einen Pick von Alison Nicholas, den nur wenige verstehen, weil sie mit Janice Moody nicht gerade eine Spielerin ins Team genommen hat, die gute Leistungen gebracht hat. Da gibt es bessere und damit meine ich zum Beispiel Melissa Reid und andere. Ich habe den Platz in Chicago vor einigen Wochen besichtigt. Er ist die Hölle, es ist ein harte Platz, auf dem die Amerikanerinnen definitiv einen Vorteil haben werden, da sie genau solche Plätze gewohnt sind. Mit hohem Rough und immer gerade aus und nicht, wie in Europa, wo man auch mal etwas streuen kann. Es ist daher eine riesige Verantwortung für Europa zu spielen und ganz ehrlich, wenn ich nicht in Form bin, möchte ich diese Verantwortung nicht auf mich nehmen. Ich habe für einen Platz im Team gekämpft, ich habe alles gegeben, aber es hat halt nicht gereicht. Ich bin nicht traurig, aber anschauen werde ich mir die Übertragung nicht. In zwei Jahren gibt es wieder einen Solheim Cup, vielleicht bin ich dann mit dabei.
Wie sieht die restliche Saison bei Ihnen aus. Turniere spielen, um jeden Preis oder auch zwischendurch mal eine Pause?
Martina Eberl: Es wird ein Turnier in Frankreich geben, das nie mein Lieblingsturnier war, dies werde ich auslassen. Für mich geht es jetzt nicht mehr um so viel, da tue ich mir dieses Turnier nicht an. Ich möchte dieses Jahr noch so gut wie möglich abschließen. Mlöchte von den restlichen fünf Turnieren noch vier spielen und hoffe, dass ich ins Abschlußturnier in Madrid noch rein komme. Es gibt noch tolle Turnier, in Teneriffa habe ich immer gut gespielt, Italien gehört zu meinen Lieblingsturnieren, da darf ich dann noch meinen Titel verteidigen, das freut mich auch.
Martina, wir wünschen Ihnen noch viel Erfolg für die restliche Saison und bedanken uns für das offene Interview.
Martina Eberl: Vielen Dank, es hat Spaß gemacht.
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