|
Tiger Woods in Augusta – die ungeschminkte Wahrheit |
|
Donnerstag, 22. April 2010 |
Tiger Woods war unumstritten das Thema Nummer eins beim ersten Majorturnier des Jahres. Er wurde von den Fans bejubelt und auch die Presse war ihm teilweise wohl gesonnen. Doch was steckte hinter dem Rummel um seine Person. Wir befragten einen absoluten Insider der internationalen Golfszene – Irek Myskow. Er ist seit Jahren Golfkommentator von SKY TV, Berater im Sport Marketing sowie Spielerbetreuer von adidas/TaylorMade und hat den Tiger-Rummel hautnah miterlebt. In einem Exklusivinterview stand er uns Rede und Antwort.
Herr Myskow, das Masters ist vorbei, doch man hatte das Gefühl, dass es hierbei nur um Tiger Woods ging. Sehen Sie dies genauso?
Irek Myskow:
„Ja, dem würde ich zustimmen. Ich weiß, dass das Masters definitiv die höchsten Einschaltquoten in seiner Geschichte hatte und dies hatte nur etwas mit Tiger Woods zu tun. Er hat einzig und alleine dazu beigetragen, dass es war, wie es war. Eines dürfen wir aber auch nicht vergessen, er hat natürlich auch dazu beigetragen, dass es ein spannendes Golfwochenende war. Er hat die Leistung geliefert, wie es so schön heißt. Tiger hat zwar nicht die Leistung gezeigt, die er selbst wollte und auch nicht das gezeigt, was manch einer erhofft hatte. Was mich persönlich erstaunt hat, dass sich am Mittwochabend der Präsident des Augusta National Golf Club, Billy Payne, in Sachen Tiger gemeldet hat. Ich weiß nicht, ob dies bis nach Europa durchgedrungen ist. Während seiner Pressekonferenz ist Payne sehr schnell auf Tiger übergegangen und hat ihn in den Senkel gestellt. Er hat ihn verbal zusammengefaltet, dass er gerade noch in eine Streichholzschachtel passte. Payne hat von schlechten moralischen Akten gesprochen, von Handlungen, die nicht in die Golfwelt passten. Er sprach von einer katastrophalen Vorbildfunktion und reagierte auf die Pressekonferenz von Tiger Woods zwei Tage zuvor in der Art, dass Tiger nicht reden solle, sondern handeln. In den USA lief diese Pressekonferenz auf allen Sendern. Das sich ein Präsident von Augusta so kritisch, ja fast schon abwegig über einen Spieler äußert, dies hart und kompromisslos, hat schon alle überrascht. Damit hatte niemand gerechnet, es war eine unerwartete kalte Dusche, die unter die Haut ging. Das hat Tiger nicht gut getan, es war ein schwerer Tiefschlag für ihn. Ich glaube, wenn ich an Woods Stelle gewesen wäre, hatte ich mich am Donnerstag verletzt gemeldet und nicht gespielt oder ich hätte dieses Interview mit dem Vorstand von Augusta besser abgeklärt.“
Was wir ab dem ersten Turniertag beobachtet hatten war ein Tiger Woods, der emotional mit angezogener Handbremse auf dem Platz agierte, um das einzuhalten, was er montags in seiner Pressekonferenz angekündigt hatte. Dies war aber nicht Tiger, oder?
Irek Myskow:
„Genau, dies war nicht Tiger. Er hat seine Emotionen nicht im Griff, das hat er nie gelernt. Sein Militär-Vater hat ihm nicht beigebracht dies zu tun. Er hat ihm nur „me, myself and I“ beigebracht, mehr auch nicht, anders geht es auch nicht in einer individuellen Sportart. Tiger kann seine Gefühle nicht im Griff halten. Er hat versucht mit den Zuschauern zu kommunizieren, er hat sich jeden Tag zur und von der Driving-Range Zeit genommen, um Kindern Autogramme zu geben, dies ist ein neuer Tiger, denn so etwas kannte man ja vorher nicht von ihm. Für uns sind das kleine Gesten, für Tiger aber gigantische, die so bei Woods eigentlich nicht vorhanden sind, auch nicht unter der Haut. Er versucht es zwar, ist aber weit davon entfernt von dem, was er bei seiner Pressekonferenz angekündigt hatte. Mich hat es allerdings überrascht, dass die Amerikaner, die ja sehr kritisch waren, ihn so warmherzig empfangen haben. Gerade am Dienstag bei seiner Proberunde wurde er gefeiert wie ein Held, der er aber nicht mehr ist. Es war genauso laut wie am Donnerstag, als er am ersten Abschlag stand. Es gab endlosen Jubel, als wenn nie etwas gewesen wäre, nach dem Motto: Tiger braucht jetzt unsere Unterstützung und wir müssen ihm helfen. Für mein Verständnis bekam er da zuviel Liebeszuwendung, wenn man bedenkt, was im letzten halben Jahr alles passiert ist und, wenn man weiß, wie hart die Menschen im prüden Amerika mit diesen Themen umgehen. Spielerisch ist er zwar noch ein Held, jedoch menschlich hat er enttäuscht. Tiger konnte früher über Wasser laufen, das wissen wir ja alle, dies ist vorbei, Tiger geht jetzt unter, dass haben alle begriffen. Vor allen Dingen die Spieler. Ich bin davon überzeugt, dass sich dies positiv auf alle Spieler auswirken wird, denn sie werden sich nicht mehr so in die Hosen machen, wie es in der Vergangenheit war. Tiger ist jetzt menschlich, mehr denn je, er hat Fehler.“
Nun kommen immer wieder neu Tatsachen ans Licht. Wir wissen, 15 plus x Geliebte, dann hat er sich in einer Klinik behandeln lassen. Anschließend sah es so aus, als könnte er sich mit seiner Frau Elin Nordegren wieder versöhnen. Am vergangen Donnerstag (15.4.2010) kam die Meldung, dass seine Frau jetzt doch die Scheidung eingereicht hat. Was kann man denn wirklich noch glauben? War er nun in einer Klinik, oder nicht?
Irek Myskow:
„Eine sehr gute Frage, es weiß keiner. Ich glaube, dass er einen Berater hat. Tiger spricht ja nicht in der Öffentlichkeit davon, dass er in einer Klinik war, dies ist ja unsere Interpretation. Es sagte immer nur: „I am seeking treatment“, auf Deutsch: „Ich lasse mich behandeln“. Es kann aber genauso gut sein, dass ich zuhause auf der Couch liege und mit jemandem telefoniere der mich etwas coached, auch dies fällt unter den Begriff „behandeln“. Dass Tiger 45 Tage in irgendeiner Klinik war ist komplett ausgeschlossen, es ist gar nicht möglich. Vielleicht ein paar Tage, jedoch fehlt uns allen der Beweis.“
Es gab aber Bilder, wo er vor einer Klinik in den Südstaaten zu sehen war.
Irek Myskow:
„Ich kenne diese Geschichte, habe aber auch eine andere gehört, wo er bei einer VIP-Hollywood-Superstar-Veranstaltung für Geschädigte in Kalifornien war. Was ist jetzt wahr? Gleich nach dem Unfall am 26.11.2009 soll er ja auch in Scottsdale gewesen sein, um sich dort die Wangenknochen richten lassen zu müssen und auch ein paar Zähne. Es gibt keine Beweise für diese Dinge, sondern nur Vermutungen. Tiger spricht nie davon, dass er in einer Klink war, sondern immer nur, dass er sich in Behandlung begeben hatte.“
In seiner Pressekonferenz sprach Tiger aber davon, dass er nach dem Unfall nur eine aufgeplatzte Lippe und ein paar Schrammen davongetragen hatte.
Irek Myskow:
„Korrekt, hätte ich an seiner Stelle auch erzählt. Es ist schwierig, angeblich ist er in Scottsdale gewesen, irgendwelche Ärzte haben da geplaudert, schwer zu glauben, dass er bei seinem Unfall nur Schrammen davongetragen hat.“
Apropos Ärzte, wie Tiger zugab hat es sich vom kanadischen Arzt Dr. Anthony Galea, der unter Verdacht des Handels mit Dopingmittel und Drogen steht, behandeln lassen. Er betonte aber immer, dass er nie Drogen oder Dopingmittel eingenommen hat. Wie sieht da Tiger´s Glaubwürdigkeit aus?
Irek Myskow:
„Das sind Fakten, Tiger musste sich auch in Augusta mehrfach zu diesem Thema in der letzten Woche äußern. Er hat aber immer wieder beteuert, dass er sich von Dr. Galea zwar hat behandeln lassen, jedoch zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Mittel eingenommen hat. Wenn man die Geschichte dieses Arztes kennt, ist es für mich berechtigt, genauer nachzufragen. Lassen wir es einmal so stehen. Es gab ja viele Gerüchte, die schon Jahre alt sind, von Spielern, die der Meinung waren, dass Tiger irgendwelche Mittel eingenommen hätte. Wenn man sich Tiger´s Körperbauentwicklung anschaut, dann muss man Dinge in Frage stellen. Wenn man die Schnellkraft so entwickelt, wie er sie entwickelt hat, dann muss man sich schon die Frage stellen, ob da nachgeholfen wurde. Vielleicht nur aus dem Gesichtspunkt der Verletzungsvorbeugung, weil diese konstante Leistung auf diesem hohem Niveau und diesen Schwunggeschwindigkeiten gehen nun mal auf die Muskeln und auf die Knochen. Dass man da so verletzungsfrei durch kommt, kann einem schon der Gedanke kommen, etwas zu nehmen, was der Verletzungsvorbeugung hilft.“
Ist Tiger immer noch das Zugpferd der U.S. PGA Tour obwohl er Sponsorenverträge in geschätzter Höhe von $ 45 Million pro Jahr verloren hat?
Irek Myskow:
„Ich will Ihnen ein Beispiel geben, welches diese Frage beantwortet. Als Tiger Woods seine Pressekonferenz im Februar gab, wurden in diesen 15 Minuten an der Wallstreet nur minimale Geschäfte gehandelt, dies ist belegt. Das Schwergewicht Wallstreet nimmt sich die Zeit einem Tiger Woods 15 Minuten zuzuhören, das sagt doch wirklich alles. Dieses Statement wurde ja weltweit live übertragen – von einem Golfspieler. Selbst bei uns in Deutschland konnte man seine Entschuldigung live miterleben, das gibt es nur einmal im Leben, dies werden wir nie wieder so erleben.“
Zurück zu Tiger´s sportlicher Zukunft. Er hat nach dem Masters offen gelassen, wann er wieder spielen wird. Vier Tage später gibt er allerdings seine Zusage für die Quail Hollow Championship und die U.S. Open bekannt. Wie ist das einzuordnen?
Irek Myskow:
„Da kann ich nur sagen: Welcome to american entertainmant – Willkommen zur amerikanischen Unterhaltung. Tiger hat wohl festgestellt, dass er ohne Turniere sein geplantes Comeback nicht erfolgreich durchziehen kann, deshalb die Zusage für die Quail Hollow Championship. Er hat bei den Masters erkannt, dass er ohne Spielpraxis nicht in der Lage ist die Top-Position in der Weltrangliste zu halten. Im Golfsport kann man sich nicht nur auf der Driving-Range auf eine U.S. Open vorbereiten. Wir dürfen allerdings gespannt sein, wie das Publikum in Quail Hollow auf Tiger reagieren wird, denn dort gibt es für ihn nicht die Abschirmung wie beim Masters.“
Herr Myskow, vielen Dank für die offenen Worte und danke für das Interview.
» 4 Kommentare
1"Background" am Dienstag, 27. April 2010 19:27
Das ist doch mal echt interessant, vielen Dank für diese Informationen aus erster Hand. Meine Bewunderung für Tiger Woods ist nicht mehr wie früher, ich hoffe, er wird als Golfer und Sportler in Zukunft wieder überzeugen. Als Mensch hat er ja wohl echt einen Knacks.
2Kommentar am Mittwoch, 28. April 2010 13:45
Diese ganze Tiger-Woods Diskussion ist für mich absoluter Bullshit! Gucken wir den Spielern zu, um sie zu bewundern und anzubeten als eine Art übermenschliche Wesen? NEIN! Wir schauen ihnen zu, weil wir ihr SPIEL bewundern und vielleicht etwas von ihrem Schwung, ihrer Taktik, etc. abzuschauen.
3Kommentar am Mittwoch, 28. April 2010 13:49
Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Es ist bigott: Von allen Stars wird immer verlangt sich professionell zu verhalten. Im Gegenzug kann man vom Publikum auch erwarten das sie mit Professionalität an die Sache gehen. Und da gehört Privatleben nun 100-prozentig NICHT rein!
4"Stark" am Freitag, 7. Mai 2010 12:39
Habe das gerade eben bei Euch gesehen, das ist ja echt mal was. Der scheint sich ja echt gut auszukennen mit der Szene, sehr informativ. Danke!
» Kommentar schreiben
|
|
Kommentare:
Mallorca Golfcard: 14 Golfanla...
Golfer des Monats: Martin Kaym...
LPGA: Sandra Gal führt in Orla...
Mickelson wird 2012 in die Hal...
Arnold Palmer: Golf-Legende sp...
|
|