Von einer, die auszog, das Golfen zu lernen Drucken E-Mail
Montag, 1. März 2010
Von einer, die auszog, das Golfen zu lernenMelanie Heßler, 38, ist Inhaberin der PR Agentur PR MarCom in Hamburg und "Frisch-Golferin". Zeichnet Sie normalerweise verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen aus dem Umfeld ITK, Lifestyle, Finanzen- und Versicherungen, schildert Sie hier, authentisch und beherzt aus der Welt einer Golfanfängerin.

Braunau in Österreich ist Schuld. Dort bin ich als Studentin zu Besuch bei Freunden, die mir eine Schnupperstunde Golf schenken. Als passionierte Ex-Leistungssportlerin nehme ich Golf als Sport überhaupt nicht ernst. Das ist doch kein Sport, so einen kleinen Ball durch die Gegend zu hauen, denke ich bei mir. Und doch, nach der Schnupperstunde - mit reichlich Boden- und Luftkontakt - meldet sich ein Muskelkater an Orten und Stellen meines Körpers, die ich bis dato gar nicht kannte. Ich streiche Golf für die nächsten 7 Jahre von der Agenda meiner sportlichen Betätigungen. Es kann doch nicht angehen, dass ich so eine reichlich schlechte Figur abgebe. Blöder Schläger, blöder Ball… ich habe fertig!

Erst als ich nach Hamburg ziehe, fühle ich mich „reif“, es erneut mit dem lustigen kleinen Ball aufzunehmen. Schließlich soll man dabei ja gut Businesskontakte knüpfen können. Hoch motiviert wird das erste Bag mit Grundausstattung erworben und ich melde mich gemeinsam mit einer Freundin bei einem Flatrate-Anbieter zum Platzreifekurs an. Das geht ganz genau drei Trainerstunden lang gut, bis sich die benannte Freundin verabschiedet und ich mich einsam und verlassen mit einem miesen Pro, bei schlechtem Wetter sitzen lässt. Die nächste Pause.

Über einen Journalisten, der sich auf Golf & Reise spezialisiert hat, erfahre ich im Winter 2009 von dem neuen Öger Golf Katalog. Vor Weihnachten ist es geschäftlich eher ruhig und kurz entschlossen buche ich 12 Tage Belek inklusive Golf-Intensivkurs mit dem Ziel: Platzreife. Die Buchung ist ratzfatz – dank sehr patenter Beratung am Fernsprecher – erledigt. Auch mein Wunsch nach unterschiedlichen Start- und Ziel-Flughäfen ist kein Problem. Doch kaum gebucht, steigt Panik in mir auf, eigentlich habe ich ernsthaft noch nie Golf gespielt. Und alleine will ich auch noch reisen. Das wird mit Abstand der frustrierendste und mieseste Urlaub meines Lebens! Und wie warm ist es da eigentlich, jetzt so kurz vor Weihnachten? Das kann alles nur in einer Katastrophe enden!

Ich decke mich also mit reichlich Literatur ein – schließlich muss ich in dem zu dieser Zeit nicht mehr „badefähigem“ Land irgendetwas zu tun haben, für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass ich golftechnisch – wieder mal – total versage.

Von einer, die auszog, das Golfen zu lernenSoviel zu meiner Grundstimmung. Allem drohenden Unheil trotzend trete ich meinen persönlichen Gang nach Canossa an. Am Check-in und im Flieger war alles klassisch unspektakulär – eine Pauschalreise eben, aber alles OK. Was mich sehr freut: ich sitze nicht ewig in einem Bus, der sämtliche Hotels abklappert. Ich bin als Erste am Ziel und nur drei weitere Touristen sind im Kleinbus.

Ich betrete mein Domizil für die nächsten zwölf Tage und bin überrascht. Das Sirene Golf- und Wellness-Hotel bietet mir einen persönlichen und herzlichen Empfang, die Atmosphäre gemütlich-„heimelig“ – weder überstyled noch kalt – genau richtig eben. Das Zimmer, mit Meerblick, ist großzügig, sauber und befindet sich im Haupthaus. Die Bungalows werden gerade renoviert. Heute hat es spektakuläre 20 Grad, die mich an den Stand zum Barfuß laufen ziehen. Es sind zwar keine Liegen mehr draußen, doch ich treffe gar einen Schwimmer. Der Strand, überwiegend Sand und feine Steine, ist im Winterschlaf, doch einem langen Spaziergang ist dank durchgehendem Sandstrand kaum ein Limit gesetzt.

Am zweiten Tag beginnen die Golfstunden. Der „Montgomerie Golf“ Club ist „very british“, edel modern, wie ein Herrenklub mit dicken Ledersesseln, Bar und kleinem Shop, in dem es auch für meine Golfschuhe neue Spikes gibt. Die Driving Range ist top, das Material durchweg neu und hochwertig sowie mit Video- und PC-Unterstützung auf dem neuesten Stand der Technik. Özdemir, mein Pro hat eine Engelsgeduld und denkt ich kann was – leider muss ich ihm die Illusion rauben. Doch die ersten drei Stunden in der "Golden Swing Golf Academy" verpuffen förmlich. Sobald meine Konzentration auf einer Sache nachlässt, bekomme ich eine neue Aufgabe und ich habe gar nicht mehr das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Es fühlt sich richtig gut an!

Jeden zweiten Tag trainiere ich mit dem sympathischen und geduldigen Pro, an den Tagen dazwischen wiederhole ich auf den Plätzen in der Nähe des Sirene Hotels, was ich gelernt habe. Es gibt Shuttleservice und reduzierte Preise für mich auf „Pasha“ und „Sultan“ und auch der „National“ – der älteste und sehr gepflegte Platz – steht mir offen. In der Hochsaison werden Anfänger gar nicht auf die Plätze gelassen, da gibt es eine Handicap-Begrenzung. Aber jetzt sind die Plätze leer, und da wird ein Auge zugedrückt. Ein Glück, es geht doch nichts darüber, das frisch Erlernte auf dem Platz zu probieren.

Von einer, die auszog, das Golfen zu lernenAm Abend erhole ich mich bei Massagen, im Hamam oder in der Hotelsauna. Auch hier: alles sauber und gepflegt. Das Essens- und Barangebot ist überdurchschnittlich in Qualität und Service. Ich bin rundum glücklich. Im Hotel finde ich schnell Anschluss und bin, wenn ich will, nie alleine.

Am vorletzten Tag mit dem Pro gehe ich meine ersten neun Löcher und ich erlebe mein persönliches Highlight: kaum miese Schläge! Drei Tage vor meiner Abreise erlange ich die Platzreife und beschwingt lasse ich mich auf meine ersten neun Löcher auf dem modernen Turnierplatz „Cornelia“ mit einem anderen Gast ein. – OK, keine Glanzleistungen, aber ich kann mitgehen, ohne ein Hindernis zu sein. Am letzten Tag - es ist Weihnachten - gehe ich weitere neun Löcher. Wenn man es „hochrechnet“, komme ich auf ein nettes Handicap von 36, was mich motiviert, nach meiner Rückkehr im Februar mein erstes Turnier zu spielen: Ice Open auf Gut Kaden, bei Hamburg, in Schlamm und Schnee. Ich habe nicht nur diese Feuertaufe genossen, sondern bin gleich gut in meine allererste Golf-Saison gestartet.

Ich kann jedem, der im Alltag weder die Zeit noch Kontinuität zu einer „normalen“ Platzreife hat, eine solche Reise empfehlen. Ich werde auch im nächsten Winter wieder nach Belek fahren, freue mich jetzt schon darauf und starte auch 2011 ohne Trainingsschwund in die Saison. Jetzt freue ich mich erst mal auf die Golfsaison in Deutschland.

Fotos: AFTER-WORK-GOLF
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