Irland - der Lockruf des Grüns
Donnerstag, 26. Mai 2011
IrlandDiese Insel hat viele Gesichter. Gesichter, die man kennt und liebt. Und sie hat Gesichter, die zu entdecken es sich immer wieder aufs Neue lohnt. Für Fischer und Reiter und Wanderer und Familien, die mit Kind und Kegel im Zigeunerwagen über Land touren. Für all jene, die Natur lieben, frische Luft, herben Wind, freundliche Menschen, Einsamkeit, Ruhe, Stille. Und hin und wieder einen Regenschauer gegen aufkommenden Übermut.

IrlandVor allem aber ist es ein Paradies für Golfer. 450 Plätze hat Irland, 4,76 Millionen Einwohner, ist 70273 qkm groß. Eine sensationelle Quote. Nirgendwo sonst in Europa, um nicht zu sagen auf der Welt, ist die Relation so günstig. Das ist erst einmal nur eine quantitative Verortung. Indes: Schottland mag die Heimat des Golfsports sein – Irland ist die Sommerfrische des Golfsport. 365 Tage im Jahr. Das ist das qualitative Pfund, mit dem die Kleeblätter zu Recht wuchern dürfen. Okay, ein bisschen wetterfest sollte man allerdings schon sein…

IrlandIrland, die grüne Insel im blaugrauen Atlantik, nur 90 Flugminuten von Düsseldorf entfernt und von Air Lingus täglich von hier wie fünf weiteren deutschen Städten aus bedient, war viele Jahre der Sunnyboy der europäischen Ökonomie. Jetzt ist es das abgestürzte Sorgenkind. Die Staatsverschuldung beträgt 94,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Irland ist so hoch verschuldet wie der Sudan. „Wir haben schon viele bittere Zeiten überstanden. Wir werden auch diese bittere Zeit überstehen“, sagt Larry Walsh vom Headfort Golf Club in Kells.

GC HeadfortWenn es eines gibt, was die Iren auszeichnet, dann ist es ihr unverbesserlicher Optimismus. Als die Wirtschaft boomte, boomte der Bau von neuen Golfplätzen und Clubhäusern. Jetzt, in der Rezession, ist das für viele Clubs eine schwere Hypothek. „Wir haben im letzten Jahr 100 Mitglieder verloren und in etwa durch Neuaufnahmen kompensiert. In diesem Jahr haben wir 100 verloren und nur 20 neue“, beschreibt Walsh, der sich um die Club-PR in Headfort kümmert, das Problem. Den Iren geht das Geld aus. Da tun rund 1000 € Jahresbeitrag und 3000 € Aufnahmegebühr weh.

GC Headfort

GC HeadfortGroß ist das Clubhaus im GC Headfort, eine knappe Autostunde nordöstlich von Dublin und über die M3  bequem erreichbar. Aber es ist auch jetzt, zur Lunchtime, ziemlich leer. Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde es in der Hoffnung auf viele neue Members gebaut. Zwei 18 Löcher Plätze gibt es, den „Old Course“ und den „New Course“. Der neue, vor zwölf  Jahren entstanden, ist ein Kleinod der irischen Golflegende Christy O’Connor junior: Ein Traum von einem Parkland (Par 72/6515 Meter). Golf Digest zählt ihn zu Recht zu den zehn besten seiner Art auf der Insel. In leicht hügeligem Gelände, mit wunderbarem Baumbestand, ein bunter Garten voller Blumen mit großartigen Fairways, tollen Grüns und Löchern, von denen fast alle eine unverwechselbare Physiognomie auszeichnet.

GC HeadfortDamien McGrane, Sieger der Volvo China Open 2008,  ist hier zu Hause. Sein Konterfei grüßt im Eingangsbereich. Klar, dass man hier mächtig stolz ist auf den besten Sohn des Clubs. McGrane wohnt nach wie vor mit seiner Familie in Kells und spielt, wenn er nicht auf Tour ist, gerne hier. Gut möglich, dass Sie ihn am Abschlag treffen oder beim Bier nach der Runde im Clubhaus. Im Gegensatz zu ihm müssen Sie allerdings Greenfee zahlen. 25 € für 18 Löcher auf dem „New Course“ an einem Montag. Das ist fast geschenkt. GC HeadfortLarry Walsh kolportiert mit süßsauerer Miene ein Treffen mit US-Reisejournalisten: „Als ich denen sagte, was wir an Greenfee nehmen, rümpften die die Nase und meinten: „Wenn wir das unseren Leuten zuhause erzählen, glauben die, dieser Platz sei eine die mickrige Düne!“ Dabei sind Greenfees zwischen 25 und 50 € auf normalen irischen Plätzen und in normalen irischen Golfclubs die Regel.

Portmanock Golf Club

Portmanock Golf Club Allerdings nicht in Portmarnock. Da gastiert die ganz große und eben auch wesentlich teurere Golf-Oper. Ein Platz, keine halben Stunde von der City Dublins entfernt. Alles atmet hier „Geschichte“. Der Portmanock Golf Club ist eine der renommiertesten Adressen des Landes, Austragungsort großer Events. Kein geringerer als der selige Severiano Ballesteros, der dreimal die Irish Open gewann, hat das u.a. hier auf diesem Platz geschafft. Wieder ist es Lunchtime. Aber der Betrieb ist größer als in Headfort. Neben Clubmitgliedern drängen sich insbesondere Touristen aus Amerika. Das Abenteuer Links Golf erwarten sie hier (Par 72/6678 Meter).

Portmanock Golf Club Und sie werden nicht enttäuscht: Draußen jagt der Wind mit 50 km/h und mehr über die Fairways und Grüns, garniert mit dem ein oder anderer nassen Peitschenschlag aus dem wolkendüsteren Himmel. Die gelben Ginsterbüsche dienen der groben Orientierung. Wer sich nicht auskennt und ohne Strokesaver über die Runde kommen will, ist verloren. Zu sehr ähneln sich die Löcher, die Abschläge, die Grüns. Auch deshalb ist der Portmarnock Golf Club vielleicht nicht die ganz große Golf-Offenbahrung. Selbst wenn die Amerikaner begeistert sind.


Teil 2: Irland - der "Solheim Cup" naht
» 1 Kommentar
1"Eine Reise wert"
am Mittwoch, 29. Juni 2011 20:12von Markus
Danke für diese vielen Infos. Irland landet auf dem Reiseplan - so bald wie möglich
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