It’s a men’s world oder Schottland für Damen.
Donnerstag, 10. Juli 2008
Teeoff24-Redakteurin Claudia Huth war zum ersten Mal in Schottland. Mit Freunden eine Woche lang Golf der etwas anderen Art auf berühmten und weniger bekannten Plätzen. Ihr Tagebuch gibt etwas ungewöhnliche Einsichten in das Innenleben der schottischen Lebensart.

Tag  Eins

Fünf Uhr morgens in Hamburg, der Wecker klingelt. War was ? Ach, ja um 14.00 h Abschlag in Turnberry in Schottland. Um 6 Uhr holt mich das Taxi ab, auf geht es mit Golfgepäck via London nach Glasgow. Ich bin im richtigen Flugzeug, das merke ich auf dem Flug von London nach Glasgow. Die ersten Herren tragen Schottenröcke!  Am Fughafen werde ich abgeholt, von unserem Tour-Guide und meinen vorher angereisten Freunden, es sind noch ca. 50 Meilen nach Turnberry. Unser Tour Bus riecht nach vielen Herren Golftouren, sprich nach Bier und „Sorry“ Käsefüßen, der Busfahrer ganz stilecht nach Whiskey und Tabak. In Deutschland würde dieser Bus bestimmt kein TÜV bekommen. Egal, ich bin im Urlaub und zum Golfen da. Ankunft in legendären Turnberry, einer ehemaligen Bahnstation aus dem 18 Jahrhundert. Wir wohnen im Hotel oberhalb des Golfplatzes und haben ein Zimmer mit Aussicht, herrlich. Eingerichtet, wie bei Omi.....so hab ich mir das vorgestellt.

Schottland Kurze Pause, auf geht,s zu Fuß hinunter zum Clubhaus und dort warten schon unsere Caddies.
Mein Caddie, William, stellt sich vor. Er gibt vor 16 zu sein ist aber höchstens 12, den haben sie wohl aus dem Kindergarten? Ehrlich, er weckt bei mir Mütterliche Gefühle. Tatsächlich wurde er von seiner  Mutti gebracht und lebt 8 Meilen entfernt mit 50 Kühen und 500 Schafen auf einer Farm. Nebenbei verdient er sich etwas Geld als Caddie. Der „Ailsa Course“ ist lang und schwierig, und außerdem wimmelt es überall von den verdammten Topfbunkern. Drei Löcher lang kann ich Ihnen aus dem Weg gehen, dann erwischt es mich das erste Mal. Mit einem Schlag raus? Pustekuchen, ich grabe den Bunker um, nach drei Schlägen bin ich zurück auf dem Fairway. Immerhin, das Wetter spielt mit, es ist sonnig und windstill. William entpuppt sich als richtig guter Caddie und ich komme gut ins Spiel. Meine Abschläge werden präziser, die Angst vor den Bunkern weniger. Trotzdem lerne ich noch fünf weitere von ihnen kennen. Aus einem komme ich sogar mit einem Schlag wieder heraus – rückwärts auf Anweisung von William, da ist die Kante flach.

Schottland Der Platz wird von Loch zu Loch schöner und in das stilvolle Halfway House möchte ich sofort einziehen. Der Blick auf die Bucht, einen Leuchtturm und eine Ruine eines Königshauses, eher eine Burg,  aus dem 13. Jahrhundert. Ich  bin beeindruckt, in Verlauf der Runde gibt es noch ein Fliegerdenkmal und eine alte Landebahn aus Kriegstagen, die bei den großen Events als Parkplatz genutzt wird. Im Clubhaus lese ich nach der Runde,  das der zweite 18-Loch-Kurs namens „Kintyre“ ebenso beeindruckend sein soll und Turnberry als der schönste Platz von Irland und Engand gelistet wird. Der lange Tag endet mit einem Essen im Turnberry Hotel und einem zufrieden Blick auf den Golfplatz. Mein letzter Gedanke es Tages: das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Sehr sogar!

Tag Zwei.

Schottland Heute steht Prestwick Golf auf dem Plan. Ein weiterer denkwürdiger Platz, nicht weit vom Hotel entfernt. Wir erfahren, hier ist die Geburtsstätte der „British Open Championship“, des ältesten Major-Turnieres der Welt. Unser Fahrer war auch gestern wieder im Pub und riecht wieder ordentlich nach Fusel. Ich sitze neben ihm, komme ich in den vollen Genuss des „schottischen Parfüms“. Der Golfplatz liegt in der Stadt Prestwick, direkt an den Bahngleisen. Das Clubhaus – ein alter schottischer Sandsteinbau, von Wind und Wetter gegerbt und gefärbt - ist beeindruckend und sieht sehr ehrwürdig aus, ganz anders unsere Caddies, die sind zwar auch von Wind und Wetter gezeichnet, erinnern aber an Häftlinge mit Tagesfreizeit. Und ganz offensichtlich sind Zahnärzte rar gesät in Schottland, das verrät das erste Lachen. Mein Caddie trägt immerhin einen Ehering, das beruhigt mich etwas. Als er auf der Runde seine Tattoos präsentiert und nach meinen fragt und nicht recht glauben kann, das ich keines habe, war ich nicht mehr so beruhigt und  er sogar regelrecht eintäuscht von mir. Ich kann es nicht ändern, will doch eigentlich nur Golf spielen.

SchottlandDer Platz lang und schwer, plus der schottische Wind, das wird doch zur Herausforderung. Auch hier wieder kniehohes Rough, und ohne meinem Caddy wäre wohl der eine oder andere Ball für immer verschwunden. Etliche Abschläge sind blind, kein Grüns weit und breit, aber als Zielhilfe gelegentlich ein Holzkreuz im Gelände, das den Weg auf das Fairway finden hilft. Und dann natürlich wieder die Topfbunker. Sie sind mir heute auch nicht sympathischer, sie sind auch heute nicht gnädiger. „Traditional Links“ steht auf der Scorekarte, und genau so sieht es auch in Wirklichkeit aus.

Frauen sind erst seit einigen Jahren zugelassen, das heißt, es wird von den Herrentees abgeschlagen mit 1,5 Meter Vorsprung. Wirklich nicht mehr, das ist eine echte Aufgabe. Power ist gefragt, und jetzt fällt mir auf, bis jetzt habe ich noch keine Frauen gesehen. Und WCs oder Halfwayhouse  Fehlanzeige, morgen muss ich besser vorsorgen. Alles sehr rudimentär hier. Irgendwie hab ich halbwegs gutes Golf gespielt, bin aber trotzdem froh, wieder im Hotel zu sein. Der lange Platz, der Wind, ich bin müde und gehe nach dem Abendessen früh ins Bett. Vorher putze ich mir sehr sorgfältig die Zähne, sehe ja, wie böse das enden kann.   

Tag Drei

Schottland Die Tour hört sich super romantisch an. Wir fahren mit dem Boot vorbei an der Insel Arran, um dort auf einem sehr urigem Golfplatz, Machrihanish Golf Club zu spielen. Der Fahrer – mit dem gleichen Geruch wie gestern – behauptet, der Club soll eines der schönsten ersten Löcher der Welt haben.

Freue mich richtig, leider macht  das Wetter uns einen kräftigen Strich durch die Rechnung und die Bootsfahrt ist so was von „bumpy“, das ich Sie nicht wirklich zur Nachahmung empfehlen kann, natürlich gibt es wieder keine Toilette an Bord und als Getränk nur Whiskey ! Bin erstaunt, was der Körper so alles mitmacht und sehr froh, nach gefühlten Stunden fahrt endlich festen Boden unter den Füssen zu haben. Aber der Golfplatz gefällt uns allen und mein Caddie Billi (hab ich erst mit Belly verwechselt, die schottischen Caddies sind schwer zu verstehen.) macht einen guten Eindruck. Vermutlich hab ich mich auch schon etwas an den Schottenlook gewöhnt. Er ist urig, ländlich und atemberaubend schön. Er liegt direkt in den Dünen am Atlantik, weit und breit kein Haus, sanfte Hügel und spektakuläre Rundumsicht von fast jedem Abschlag. Das macht viel Spaß, aber auch hier würde ich sagen - nur für Herren gedacht. Ich sehe sie förmlich in alten Zeiten die Schafs- oder Ziegenködel über die Dünen kicken. SchottlandDer Caddie ist nett und hilfreich, da man hier und dort auch blinde Löcher spielt und ohne Hilfe schnell verloren wäre. Das es kein WC und  keine  Verpflegung gibt, muss ich nicht erwähnen. In der Ferne sehen wir die Farm von Paul Mc Cartney, dort hat er das Lied „Mull of Kintyre“ geschrieben. Das Greenfee von nur 50 Pfund ist geradezu ein schottisches Schnäppchen...

Nach der Runde gibt es im Club noch eine Suppe mit den Caddies, umgezogen wird sich in der Herrenumkleide. Wie gesagt, Damen sind  hier nicht wirklich vorgesehen. Vor der Bootstour zurück hatte ich mächtig Manschetten, aber die Erschöpfung hat über das Schlimmste hin weg geholfen. What a Day!

Tag Vier

SchottlandIrgendwie hat unser fuseliger Tourguide es hin bekommen, das wir auf Loch Lomond spielen dürfen.
Namen und nähere Umstände sind nicht zu klären. Egal, Hauptsache dabei. Loch Lomond liegt in der Nähe von Glasgow, umgeben vom See und Bergen. Ein großes Tor erinnert uns an die Exklusivität, hier dürfen nur Auserwählte hinein. Der Platz gehört Amerikanern und ist relativ neu von 1999 und das sieht man sofort. Er wurde vom in Phoenix lebenden Designer Tom Weiskopf entworfen und wird für seine außergewöhnliche Schönheit gerühmt. Heute sind wir ganz weit entfernt von der Schafsködel Idylle. Gepflegt und gehegt und sehr exklusiv und die Bautrupps stellen schon die Tribünen für das PGA-Turnier auf, das in der Woche vor der British Open hier stattfindet und die besten Pros der Welt anlockt. Kein Wunder, ein Loch schöner als das andere, der Platz liegt direkt am See (schottisch:Loch) und das längste Loch geht vom Abschlag bis zum Grün direkt am See entlang, 560 Meter, Par 5. Nach rechts verzogene Bälle verschwinden im See. Retief Goosen und Sergio Garcia halten mit je 62 Schlägen den Platzrekord. Wie die das gemacht haben, bleibt mir schleierhaft. Der Platz ist schwer, zumindest für meine Freunde und für mich.

Schottland Hier treffen wir auch auf die ersten Amerikaner, von den viele Mitglieder sind. Mein Caddie ist ein ehemaliger Lehrer, weiß was ein Zahnarzt ist und kann mit sogar die Entfernung in Metern angeben. Das finde ich super. Ich ordne mich ihm bedingungslos unter und komme so relativ gut mit dem sehr schweren, aber wunderschönem Platz klar.  Was für ein Unterschied zu den alten schottischen Links Plätzen. Komme mir vor, als wenn sie mich in den Schwarzwald versetzt haben.

Es gibt zwar kein WC und kein Verpflegung auf der Runde, aber Überraschung, im Clubhaus gibt es doch tatsächlich eine Damenumkleide!!!! Hier sehe ich auch die einzige Golf spielende Frau auf der ganzen Schottland-Reise. Fazit: Eine schöne Abwechselung zu den Links Kursen am Meer. 
  

Tag Fünf

SchottlandFür heute steht Royal Troon, ein weiter Linkskurs direkt am Meer, auf dem Programm. Tee Time um Drei inkl. Mittagessen im Clubhaus. Beinahe fliege ich schon vor der Runde aus dem Clubhaus raus, da ich fotografiere, was verboten ist. 1878 wurde der Platz gegründet, das ist doch etwas.

Muss ich erwähnen, daß ich mal wieder die einzige Frau bin und es kein Damen Umkleide gibt? Die Caddies warten schon startklar vor der Tür und auf geht es. Immerhin sind hier Frauen zugelassen, schon seit drei Jahren. Der Platz – wir spielen den „Old Course“  gefällt mir ausgesprochen und ist viel spektakulärer als erwartet. Es gibt noch einen zweiten 18-Loch-Platz (Portland Course) und einen 9 Loch-Par 3-Platz für die kurze, schnelle Runde. Die alten Grüns sind klein und schnell und schwer zu spielen. Der Gipfel ist das Loch 8, ein Par 3 mir gerade mal 100 Metern. Das Loch heisst „Postage Stamp“, Briefmarke. Viel größer kommt mir das Grün auch nicht vor. Das 7. Loch ist nach einer Schlacht benannt, die 1882 hier stattfand. „Tel-El-Kebir“. Das gibt es auch nicht überall.

Schottland „Royal Troon“  liegt zwischen zwei Städten, direkt am Meer mit tollen Ausblicken und ist golferisch herrlich anspruchsvoll und bei viel Wind bin ich mal wieder sehr auf den Caddie und seine guten Ratschläge angewiesen. Der macht seine Sache sehr gut und empfiehlt mir zu meinem Orangensaft unbedingt Wodka. Und überhaupt freut er sich schon sehr auf seinen Pubbesuch nach der Runde. Überrascht mich alles nicht mehr....

Am nächsten Tag geht eine golferisch spannende Kurzreise mit dem Gefühl zu Ende, das ich mich einigermaßen in einer Männerwelt geschlagen habe. Meine Damen, sie wissen Bescheid.

Claudia Huth
 

www.turnberry.co.uk

www.prestwickgc.co.uk

www.machgolf.com

www.lochlomond.com

www.royaltroon.co.uk

 

» 2 Kommentare
1Kommentar
am Montag, 21. Juli 2008 18:05von Hannes Hirsch
Hallo liebe Claudia, 
 
na das war ja wohl eine tolle Reise. In nur 6 Tagen 5 der besten und schönsten Plätze Schottland zu spielen ist purer Luxus, wenn nicht schon etwas dekadent. Dein Bericht ist lustig und spannenden geschrieben und macht Lust auf Schottland. Also als Mann, als Frau scheint es eine noch größere Herausforderung zu sein. Mach weiter so! 
 
Liebe Grüße 
Hannes
2"Realtor"
am Dienstag, 22. Juli 2008 20:56von Helga Wetzold
Hut ab vor Claudia Huth! Ich habe diesen Artikel sehr genossen, vor allen Dingen die Bemerkungen ueber die Herren Clubs und wenn jemand das gut schafft bist Du das. Der Humor und Beschreibung waren wunderbar aber auch sehr informativ. Hoffe bald weitere Reportagen von Dir zu finden. 
Es oeffnet einem die Augen dass die Welt in anderen Gegenden noch sehr unterschiedlich ist. Danke fuer den schoenen Bericht. Warte schon auf den Naechsten.  
Viele liebe Gruess, Helga
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