Teeoff24-Redakteurin Claudia Huth war zum ersten Mal in
Schottland. Mit Freunden eine Woche lang Golf der etwas anderen Art auf
berühmten und weniger bekannten Plätzen. Ihr Tagebuch gibt etwas ungewöhnliche
Einsichten in das Innenleben der schottischen Lebensart.
Tag Eins
Fünf Uhr morgens in Hamburg, der Wecker klingelt. War was ?
Ach, ja um 14.00 h Abschlag in Turnberry in Schottland. Um 6 Uhr holt mich das
Taxi ab, auf geht es mit Golfgepäck via London nach Glasgow. Ich bin im
richtigen Flugzeug, das merke ich auf dem Flug von London nach Glasgow. Die
ersten Herren tragen Schottenröcke! Am
Fughafen werde ich abgeholt, von unserem Tour-Guide und meinen vorher angereisten Freunden, es sind noch ca. 50 Meilen nach Turnberry. Unser Tour Bus
riecht nach vielen Herren Golftouren, sprich nach Bier und „Sorry“ Käsefüßen,
der Busfahrer ganz stilecht nach Whiskey und Tabak. In Deutschland würde dieser
Bus bestimmt kein TÜV bekommen. Egal, ich bin im Urlaub und zum Golfen da.
Ankunft in legendären Turnberry, einer ehemaligen Bahnstation aus dem 18
Jahrhundert. Wir wohnen im Hotel oberhalb des Golfplatzes und haben ein Zimmer
mit Aussicht, herrlich. Eingerichtet, wie bei Omi.....so hab ich mir das
vorgestellt.
Kurze Pause, auf geht,s zu Fuß hinunter zum Clubhaus und dort warten schon unsere Caddies.
Mein Caddie, William, stellt sich vor. Er gibt vor 16 zu
sein ist aber höchstens 12, den haben sie wohl aus dem Kindergarten? Ehrlich,
er weckt bei mir Mütterliche Gefühle. Tatsächlich wurde er von seiner Mutti gebracht und lebt 8 Meilen entfernt mit
50 Kühen und 500 Schafen auf einer Farm. Nebenbei verdient er sich etwas Geld
als Caddie. Der „Ailsa Course“ ist lang und schwierig, und außerdem wimmelt es
überall von den verdammten Topfbunkern. Drei Löcher lang kann ich Ihnen aus dem
Weg gehen, dann erwischt es mich das erste Mal. Mit einem Schlag raus?
Pustekuchen, ich grabe den Bunker um, nach drei Schlägen bin ich zurück auf dem
Fairway. Immerhin, das Wetter spielt mit, es ist sonnig und windstill. William
entpuppt sich als richtig guter Caddie und ich komme gut ins Spiel. Meine
Abschläge werden präziser, die Angst vor den Bunkern weniger. Trotzdem lerne
ich noch fünf weitere von ihnen kennen. Aus einem komme ich sogar mit einem
Schlag wieder heraus – rückwärts auf Anweisung von William, da ist die Kante
flach.
Der Platz wird von Loch zu Loch schöner und in das stilvolle
Halfway House möchte ich sofort einziehen. Der Blick auf die Bucht, einen
Leuchtturm und eine Ruine eines Königshauses, eher eine Burg, aus dem 13. Jahrhundert. Ich bin beeindruckt, in Verlauf der Runde gibt es
noch ein Fliegerdenkmal und eine alte Landebahn aus Kriegstagen, die bei den
großen Events als Parkplatz genutzt wird. Im Clubhaus lese ich nach der
Runde, das der zweite 18-Loch-Kurs
namens „Kintyre“ ebenso beeindruckend sein soll und Turnberry als der schönste
Platz von Irland und Engand gelistet wird. Der lange Tag endet mit einem Essen
im Turnberry Hotel und einem zufrieden Blick auf den Golfplatz. Mein letzter
Gedanke es Tages: das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Sehr sogar!
Tag Zwei.
Heute steht Prestwick Golf auf dem Plan. Ein weiterer
denkwürdiger Platz, nicht weit vom Hotel entfernt. Wir erfahren, hier ist die
Geburtsstätte der „British Open Championship“, des ältesten Major-Turnieres der
Welt. Unser Fahrer war auch gestern wieder im Pub und riecht wieder ordentlich
nach Fusel. Ich sitze neben ihm, komme ich in den vollen Genuss des
„schottischen Parfüms“. Der Golfplatz liegt in der Stadt Prestwick, direkt an
den Bahngleisen. Das Clubhaus – ein alter schottischer Sandsteinbau, von Wind
und Wetter gegerbt und gefärbt - ist beeindruckend und sieht sehr ehrwürdig
aus, ganz anders unsere Caddies, die sind zwar auch von Wind und Wetter
gezeichnet, erinnern aber an Häftlinge mit Tagesfreizeit. Und ganz
offensichtlich sind Zahnärzte rar gesät in Schottland, das verrät das erste
Lachen. Mein Caddie trägt immerhin einen Ehering, das beruhigt mich etwas. Als
er auf der Runde seine Tattoos präsentiert und nach meinen fragt und nicht
recht glauben kann, das ich keines habe, war ich nicht mehr so beruhigt
und er sogar regelrecht eintäuscht von
mir. Ich kann es nicht ändern, will doch eigentlich nur Golf spielen.
Der Platz lang und schwer, plus der schottische Wind, das
wird doch zur Herausforderung. Auch hier wieder kniehohes Rough, und ohne
meinem Caddy wäre wohl der eine oder andere Ball für immer verschwunden.
Etliche Abschläge sind blind, kein Grüns weit und breit, aber als Zielhilfe gelegentlich
ein Holzkreuz im Gelände, das den Weg auf das Fairway finden hilft. Und dann
natürlich wieder die Topfbunker. Sie sind mir heute auch nicht sympathischer,
sie sind auch heute nicht gnädiger. „Traditional Links“ steht auf der
Scorekarte, und genau so sieht es auch in Wirklichkeit aus.
Frauen sind erst seit einigen Jahren zugelassen, das heißt, es
wird von den Herrentees abgeschlagen mit 1,5 Meter Vorsprung. Wirklich nicht
mehr, das ist eine echte Aufgabe. Power ist gefragt, und jetzt fällt mir auf,
bis jetzt habe ich noch keine Frauen gesehen. Und WCs oder Halfwayhouse Fehlanzeige, morgen muss ich besser
vorsorgen. Alles sehr rudimentär hier. Irgendwie hab ich halbwegs gutes Golf
gespielt, bin aber trotzdem froh, wieder im Hotel zu sein. Der lange Platz, der
Wind, ich bin müde und gehe nach dem Abendessen früh ins Bett. Vorher putze ich
mir sehr sorgfältig die Zähne, sehe ja, wie böse das enden kann.
Tag Drei
Die Tour hört sich super romantisch an. Wir fahren mit dem
Boot vorbei an der Insel Arran, um dort auf einem sehr urigem Golfplatz,
Machrihanish Golf Club zu spielen. Der Fahrer – mit dem gleichen Geruch wie
gestern – behauptet, der Club soll eines der schönsten ersten Löcher der Welt
haben.
Freue mich richtig, leider macht das Wetter uns einen kräftigen Strich durch
die Rechnung und die Bootsfahrt ist so was von „bumpy“, das ich Sie nicht
wirklich zur Nachahmung empfehlen kann, natürlich gibt es wieder keine Toilette
an Bord und als Getränk nur Whiskey ! Bin erstaunt, was der Körper so alles
mitmacht und sehr froh, nach gefühlten Stunden fahrt endlich festen Boden unter
den Füssen zu haben. Aber der Golfplatz gefällt uns allen und mein Caddie Billi
(hab ich erst mit Belly verwechselt, die schottischen Caddies sind schwer zu
verstehen.) macht einen guten Eindruck. Vermutlich hab ich mich auch schon
etwas an den Schottenlook gewöhnt. Er ist urig, ländlich und atemberaubend schön. Er liegt direkt in den Dünen am
Atlantik, weit und breit kein Haus, sanfte Hügel und spektakuläre Rundumsicht
von fast jedem Abschlag. Das macht viel Spaß, aber auch hier würde ich sagen -
nur für Herren gedacht. Ich sehe sie förmlich in alten Zeiten die Schafs- oder
Ziegenködel über die Dünen kicken. Der Caddie ist nett und hilfreich, da man
hier und dort auch blinde Löcher spielt und ohne Hilfe schnell verloren wäre.
Das es kein WC und keine Verpflegung gibt, muss ich nicht erwähnen. In
der Ferne sehen wir die Farm von Paul Mc
Cartney, dort hat er das Lied „Mull of Kintyre“ geschrieben. Das Greenfee von
nur 50 Pfund ist geradezu ein schottisches Schnäppchen...
Nach der Runde gibt es im Club noch eine Suppe mit den
Caddies, umgezogen wird sich in der Herrenumkleide. Wie gesagt, Damen sind hier nicht wirklich vorgesehen. Vor der
Bootstour zurück hatte ich mächtig Manschetten, aber die Erschöpfung hat über
das Schlimmste hin weg geholfen. What a Day!
Tag Vier
Irgendwie hat unser fuseliger Tourguide es hin bekommen, das
wir auf Loch Lomond spielen dürfen.
Namen und nähere Umstände sind nicht zu klären. Egal, Hauptsache
dabei. Loch Lomond liegt in der Nähe von Glasgow, umgeben vom See und Bergen.
Ein großes Tor erinnert uns an die Exklusivität, hier dürfen nur Auserwählte
hinein. Der Platz gehört Amerikanern und ist relativ neu von 1999 und das sieht
man sofort. Er wurde vom in Phoenix lebenden Designer Tom Weiskopf entworfen
und wird für seine außergewöhnliche Schönheit gerühmt. Heute sind wir ganz weit
entfernt von der Schafsködel Idylle. Gepflegt und gehegt und sehr exklusiv und
die Bautrupps stellen schon die Tribünen für das PGA-Turnier auf, das in der
Woche vor der British Open hier stattfindet und die besten Pros der Welt
anlockt. Kein Wunder, ein Loch schöner als das andere, der Platz liegt direkt
am See (schottisch:Loch) und das längste Loch geht vom Abschlag bis zum Grün
direkt am See entlang, 560 Meter, Par 5. Nach rechts verzogene Bälle
verschwinden im See. Retief Goosen und Sergio Garcia halten mit je 62 Schlägen
den Platzrekord. Wie die das gemacht haben, bleibt mir schleierhaft. Der Platz
ist schwer, zumindest für meine Freunde und für mich.
Hier treffen wir auch auf die ersten Amerikaner, von den
viele Mitglieder sind. Mein Caddie ist ein ehemaliger Lehrer, weiß was ein
Zahnarzt ist und kann mit sogar die Entfernung in Metern angeben. Das finde ich
super. Ich ordne mich ihm bedingungslos unter und komme so relativ gut mit dem
sehr schweren, aber wunderschönem Platz klar.
Was für ein Unterschied zu den alten schottischen Links Plätzen. Komme
mir vor, als wenn sie mich in den Schwarzwald versetzt haben.
Es gibt zwar kein WC und kein Verpflegung auf der Runde,
aber Überraschung, im Clubhaus gibt es doch tatsächlich eine Damenumkleide!!!!
Hier sehe ich auch die einzige Golf spielende Frau auf der ganzen
Schottland-Reise. Fazit: Eine schöne Abwechselung zu den Links Kursen am
Meer.
Tag Fünf
Für heute steht Royal Troon, ein weiter Linkskurs direkt am
Meer, auf dem Programm. Tee Time um Drei inkl. Mittagessen im Clubhaus. Beinahe fliege ich schon vor der Runde
aus dem Clubhaus raus, da ich fotografiere, was verboten ist. 1878 wurde der
Platz gegründet, das ist doch etwas.
Muss ich erwähnen, daß ich mal wieder die einzige Frau bin
und es kein Damen Umkleide gibt? Die Caddies warten schon startklar vor der Tür
und auf geht es. Immerhin sind hier Frauen zugelassen, schon seit drei Jahren.
Der Platz – wir spielen den „Old Course“
gefällt mir ausgesprochen und ist viel spektakulärer als erwartet. Es
gibt noch einen zweiten 18-Loch-Platz (Portland Course) und einen 9 Loch-Par
3-Platz für die kurze, schnelle Runde. Die alten Grüns sind klein und schnell
und schwer zu spielen. Der Gipfel ist das Loch 8, ein Par 3 mir gerade mal 100
Metern. Das Loch heisst „Postage Stamp“, Briefmarke. Viel größer kommt mir das
Grün auch nicht vor. Das 7. Loch ist nach einer Schlacht benannt, die 1882 hier
stattfand. „Tel-El-Kebir“. Das gibt es auch nicht überall.
„Royal Troon“ liegt
zwischen zwei Städten, direkt am Meer mit tollen Ausblicken und ist golferisch
herrlich anspruchsvoll und bei viel Wind bin ich mal wieder sehr auf den Caddie
und seine guten Ratschläge angewiesen. Der macht seine Sache sehr gut und
empfiehlt mir zu meinem Orangensaft unbedingt Wodka. Und überhaupt freut er
sich schon sehr auf seinen Pubbesuch nach der Runde. Überrascht mich alles
nicht mehr....
Am nächsten Tag geht eine golferisch spannende Kurzreise mit
dem Gefühl zu Ende, das ich mich einigermaßen in einer Männerwelt geschlagen
habe. Meine Damen, sie wissen Bescheid.
Claudia Huth
www.turnberry.co.uk
www.prestwickgc.co.uk
www.machgolf.com
www.lochlomond.com
www.royaltroon.co.uk
» 2 Kommentare
1Kommentar am Montag, 21. Juli 2008 18:05
Hallo liebe Claudia, na das war ja wohl eine tolle Reise. In nur 6 Tagen 5 der besten und schönsten Plätze Schottland zu spielen ist purer Luxus, wenn nicht schon etwas dekadent. Dein Bericht ist lustig und spannenden geschrieben und macht Lust auf Schottland. Also als Mann, als Frau scheint es eine noch größere Herausforderung zu sein. Mach weiter so! Liebe Grüße Hannes
2"Realtor" am Dienstag, 22. Juli 2008 20:56
Hut ab vor Claudia Huth! Ich habe diesen Artikel sehr genossen, vor allen Dingen die Bemerkungen ueber die Herren Clubs und wenn jemand das gut schafft bist Du das. Der Humor und Beschreibung waren wunderbar aber auch sehr informativ. Hoffe bald weitere Reportagen von Dir zu finden. Es oeffnet einem die Augen dass die Welt in anderen Gegenden noch sehr unterschiedlich ist. Danke fuer den schoenen Bericht. Warte schon auf den Naechsten. Viele liebe Gruess, Helga
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