Das Hoch im Norden
Donnerstag, 10. April 2008

Foto: Bernd Störtebek Wie hieß es doch so schön in einer alten Werbung: Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Das stimmt wohl ganz besonders für die Nordseeinsel Sylt, denn nirgendwo in Deutschland wird mehr Geld für Immobilien ausgegeben als in Kampen. Hier ist die deutsche Geldaristokratie unter sich, Kreti und Pleti sind die Pauschalurlauber aus Wenningstedt und Westerland, die sich an den Fenstern der schicken Boutiquen in Kampen die Nase platt drücken, gekauft wird von ihnen sicher nichts.

Man sollte denken, für Golf auf Sylt gehört als vermeintlicher Sport der Besserbetuchten schon lange dazu, aber das ist ein Irrtum. Lange Jahre war Sylt für Golfer nicht wirklich ein besonderes Ziel, an Cote d’ Azur und Costa del Sol wurden schon Plätze in Hülle und Fülle gebaut, als auf Sylt noch niemand an Golf dachte. Fast niemand zumindest, denn die British Royal Air Force legte unmittelbar neben ihrer Kaserne und Landepiste bereits im Jahre 1953 einen 6-Loch-Golfplatz an, um sich den langweiligen Militärdienst zu versüßen. Als die Besatzer abzogen, wurde die Anlage der Bundeswehr übergeben, die sie mehr schlecht als recht pflegte. Golfer, die damals auf den Platz wollten, mussten am Kasernentor ihren Pass hinterlegen. Der beigeisterte Hobbygolfer Axel Springer nutzte die Anlage ebenfalls, aber er entschloss sich, seinen eigenen Golfplatz in Morsum zu bauen. Der Golfplatz geriet fast in Vergessenheit. Das änderte sich 1980, als der spätere Kapitän zur See Eduard Wismeth als Kommandeur der Marinefliegerlehrgruppe nach Sylt kam, auf seine Initiative wird der Marine Golf Club Sylt offiziell ins Leben gerufen und für die Sylter geöffnet wurde.

Foto: Bernd Störtebek 1988 werden die Verhandlungen des Marine Golf-Clubs mit dem Bundesvermögensamt zum Abschluss gebracht, der Klub wird Eigentümer von 67 Hektar und kauft im Juli weitere 13 Hektar dazu.

Dann folgt die grundlegende Entscheidung, den 18-Loch-Platz von Grund auf neu zu bauen. Als Architekt wird der Schotte Kennth J. Moodie verpflichtet, ein ausgewiesener Kenner der küstentypischen „Links“-Kurse. Der Marine Golf-Club wird zu einer gigantischen Baustelle, eine Menge Erde wird bewegt. Seit August letzten Jahres sind alle 18 Löcher bespielbar. „Wir hoffen, das Wetter spielt mit, dann wird es klappen. Die Vorbereitungen laufen jedenfalls“, so Spielführer Dr. Heinz Oschmann, der Spielführer des Klubs, der mir bei Kaffee und Kuchen die Geschichte des Klubs erzählt und den Platz in den höchsten Tönen lobt.

Foto: Bernd Störtebek Und der Mann übertreibt nicht, gar nicht. Wer auf den Platz geht, erlebt Küstengolf nach schottischem Vorbild pur. Der Platz wirkt weder neu noch künstlich, sondern man könnte glauben, hier seien Schafherden schon vor hundert Jahren auf dem Platz heimisch gewesen. Der Platz ist lang, mit 6300 Metern wird mancher Clubgolfer seine Probleme bekommen. Und die typische Brise wird obendrein dafür sorgen, dass die Bälle vom Winde verweht werden.

Trotzdem, ein klasse Kurs, eine echte Bereicherung nicht nur für Sylt, sondern für den ganzen Norden.

Wo wir gerade bei Bereicherung sind: wer glaubt, die Mitgliedschaft in diesem Klub oder das Greenfee sei unerschwinglich, wird positiv überrascht. Der Marine Golf-Club ist eine gemeinnützige Genossenschaft mit sehr zivilen Preisen. Ein rückzahlbarer Genossenschaftsanteil liegt bei 4000 Euro, dazu ein „Eintrittsgeld“ von 1530  und eine Jahresspielgebühr von 750 Euro sind vergleichsweise sehr günstig. Gäste sind willkommen, zahlen 48 Euro für 18 und 28 Euro für neun Löcher.

Ganz so günstig wird es beim Nachbarn nicht, der 1982 gegründete Golf-Club Sylt bietet im Sommer nur ein 18-Loch-Greenfee von 55 Euro an, wer länger auf Sylt weilt, sollte über die Zehnerkarte für 475 Euro nachdenken. Über eine Mitgliedschaft sollte man besser erst nach einem Gespräch mit dem Vorstand sinnieren, angeblich liegt die Aufnahmegebühr bei 15.000 Euro, dazu kommt noch eine kleine  „Spende“.

Foto: Bernd Störtebek Allerdings wir auch hier einiges geboten. Der Platz selbst nennt sich auch „Links Course“, aber sein Charakter ist gemischt. Die meisten Bahnen erinnern mehr an die holsteinsche Knicklandschaft, sind nicht unbedingt typisch für die Lage in Meeresnähe, aber sehr schön und durchaus auch trickreich. Bei einigen Bahnen kommt Wasser ins Spiel, nicht wie oft und gern als dekoratives Element, sondern direkt in der Drivezone oder auch beim Anspiel der Grüns.  Das kann vor allem bei Wind sehr ungemütlich werden und wer nicht genuge Bälle in der Tasche hat, für den wird es ungemütlich, die Runde könnte aus Ballmangel vorzeitig zu Ende gehen.

Nach der Runde wir es dann allerdings richtig gemütlich, ein besseres Klubhaus werden Sie weit und breit nicht finden. Wer Country Club-Atmosphäre mag, wird sich hier besonders wohlfühlen. Die helle und freundliche Einrichtung, eine hervorragende Auswahl an Essen und Trinken – so wünschen sich Golfer das 19. Loch.

Foto: Bernd Störtebek Das gilt sicher auch für den Golfclub Morsum. Der von Axel Springer schon 1964 gegründete 9-Loch-Platz hat heute rund 200 Mitglieder und ist aber einer der privatesten Golfplätze der Bundesrepublik. Er liegt nicht zufällig im Osten der Insel, fernab von den touristischen Zentren. Die Zufahrt ist nur sehr mäßig ausgeschildert, und wer auf das Grundstück kommt, denkt, er hat sich verfahren. Das kleine weiße Friesenhaus mit dem Reetdach muß doch ein Privathaus sein! Ist es aber nicht, denn abgesehen von einigen Turnieren reicht es den spielenden Mitgliedern völlig aus. Greenfee-Spieler sollten vor Besuch des Platzes unbedingt anrufen, denn nur zu bestimmten Zeiten werden einige Gäste für ein Greenfee von 55 Euro für 18 Löcher auf den Platz gelassen. Wenn es beim ersten Anlauf nicht klappt, versuchen Sie es getrost ein zweites Mal, denn es lohnt sich. Vor allem bei starkem Wind ist Morsum  besonders attraktiv, denn durch die östliche Lage sind es hier immer ein paar Windstärken weniger. Und in Zukunft wir es für Greenfeespieler sicher leichter, denn die Morsumer haben sich nun doch dazu durch gerungen, ihren Platz auf 18 Löcher ausbauen zu lassen. Wann das genau passiert, steht aber noch im kristallklaren Sylter Sternenhimmel.

Budersand Doch damit ist Golf auf Sylt noch nicht am Ende, das nächste große Projekt steht vor dem Abschluss. „Budersand Hotel & Golfresort“ heißt die Anlage, die bei Hörnum an der Südspitze der Insel entstanden ist. Auf dem weitläufigen, 73 Hektar großen Gelände der ehemaligen Pidder Lüng-Kaserne, liegt der Platz nördlich des Yachthafens mitten in der Gemeinde Hörnum. Architekt Rolf-Stephan Hansen plante eine behutsame Einbettung von 18 Spielbahnen mit einer Länge von mehr als 6000 Metern  in die vorhandene Dünenlandschaft, es entstanden sogar neue Dünen und die ganze Region wurde sogar ökologisch aufgewertet. Geplant ist die Eröffnung für den Sommer dieses Jahres, was man über den Zaun sieht, sieht absolut spektakulär aus. Man mag kaum bis zur Eröffnung warten!

Das Golfhaus war schon da, die nicht mehr genutzte Fernmeldestation wurde zum Klubhaus umgestaltet. Ein 5-Sterne-Hotel ist auch im Bau, in achtzig Zimmern sollen sich die Gäste wohl fühlen. 

Die beliebteste Insel der Republik wird also in Zukunft nicht nur für Strandurlauber und Sonnenanbeter zum Reiseziel Nummer Eins werden, sondern auch für Golfer eine echte Top-Destination, für die sich auch ein langes Wochenende richtig lohnt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Immobilienpreise werden aufgrund des tollen Golfangebotes sicher nicht sinken.

Bernd Störtebek

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